«Es drohen Handelskriege mit der EU»

Wie sieht die Versorgungssicherheit der Schweiz ohne EU-Stromabkommen aus? Wie kann die Netzstabilität gesichert werden? Diesen Fragen gingen am BKW Insights Anlass «Strom und Europa: Plan B?» ElCom-Präsident Werner Luginbühl sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Energiewirtschaft nach.

Video mit Kurzinterviews mit den Referentinnen und Referenten des «BKW Insights» Anlasses

Die Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren sich mit den Referentinnen und Referenten des «BKW Insights» Anlasses einig: Das Scheitern des institutionellen Rahmenabkommens und damit des EU-Stromabkommens hat die Herausforderungen bezüglich Versorgungssicherheit und Netzstabilität massiv erhöht. Hauptreferent Werner Luginbühl, Präsident der Elektrizitätskommission ElCom, erklärte, dass es letztlich gar zu Handelskriegen kommen könnte.

Von Nadelspitzen zur Keule gewechselt

Swissgrid Strategic Senior Advisor Jörg Spicker bestätigte, dass die Verhandlungen im europäischen Kontext sehr schwierig geworden sind: Die EU habe seit dem Scheitern des institutionellen Rahmenabkommens von Nadelstichen gegen die Schweiz zur Keule gewechselt. Bereits heute spüre das Land die Nachteile, bis 2025 sei insbesondere die Netz- aber auch die Versorgungssicherheit stark gefährdet. Als Gegenmassnahmen wurden bei dem Anlass Effizienzsteigerungen, die im Rahmen der laufenden Gesetzesrevision angedachte strategische Energiereserve, zusätzliche Energieproduktion, Gaskraftwerke für Notsituationen sowie der Ausbau der inländischen Winterstromproduktion genannt.  

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierten neben Jörg Spicker die beiden Nationalrätinnen Gabriela Suter (SP/AG) und Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG) darüber, welche Massnahmen ergriffen und bis wann diese umgesetzt werden sollen. Neben dem raschen Ausbau von erneuerbaren Produktionskapazitäten in der Schweiz nannte Suter die Energieeffizienz – denn heute werde jede dritte Kilowattsunde Strom verschwendet.

Gaskraftwerke und Netzstabilität

Vincenz-Stauffacher sprach die weiterhin hohen Hürden des Natur- und Heimatschutzes an, welcher den wichtigen Ausbau immer wieder bremsten. Dabei sei es für die Schweiz nicht 5 vor 12, sondern 1 vor 12. Deshalb müsse auch über den Bau von Gaskraftwerken als Back-up für die Überbrückung von Versorgungsengpässen nachgedacht werden, ob CO2-frei oder nicht.

BKW CEO und Gastgeberin Suzanne Thoma wies als Chefin des grössten Schweizer Verteilnetzbetreibers darauf hin, dass in der Diskussion um die Versorgungssicherheit die Netze nicht vergessen werden dürfen. Die Herausforderungen für die Netzstabilität würden immer grösser, derweil die Kosten immer weniger verursachergerecht getragen werden. Hier sei entsprechend mehr Intelligenz und Fairness gefragt.

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