Nachhaltiger Schneesport, geht das?

Sie können sich ein Leben ohne Berge und Schnee nicht vorstellen und setzen sich deshalb dafür ein, dass es auch in Zukunft noch weisse Winter gibt: Marlen Marconi, Präsidentin des Vereins Snowstainability, und Nicholas Bornstein, Gründer und Geschäftsführer von Protect Our Winters Schweiz (POW).

Nicholas, die Sommer werden immer heisser, der Schnee fällt entweder zu wenig oder zu viel auf einmal. Machst du dir Sorgen um den Wintersport?

Nicholas Bornstein: Ich mache mir Sorgen um unseren Planeten. Der Hitzesommer und die extreme Gletscherschmelze dieses Jahr haben einmal mehr deutlich gemacht, dass die Klimakrise rasches Handeln erfordert. Der Wintersport ist nur eine Sache von vielen, auf die sich der Klimawandel auswirkt – sicher nicht die Wichtigste. Als leidenschaftlicher Berg- und Wintersportler, der am liebsten draussen unterwegs ist, bekomme ich die Folgen besonders deutlich zu spüren. Deshalb richtet sich unsere Arbeit an die Outdoor-Gemeinschaft, denn sie ist direkt und emotional betroffen. POW mobilisiert diese Community über die gemeinsame Leidenschaft für die Berge, um einen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft voranzutreiben. Dabei geht es nicht darum, ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern wir wollen mit einer positiven und befähigenden Sprache und einer emotionalen Bildwelt die Outdoor-Gemeinschaft aktivieren, sich für den Klimaschutz einzusetzen. Es ist einfach: Schütze, was du liebst!

Wanderer blickt auf verschneite Berge
Titelbild: M.Mphoto / stock.adobe.com
«Der Hitzesommer hat einmal mehr gezeigt, dass die Klimakrise rasches Handeln erfordert.»
Nicholas Bornstein

Marlen, inwiefern können Grossveranstaltungen und Wintertourismus dem Klimawandel entgegenwirken? Wäre es nicht besser, gar nicht mehr mit der Gondel rauf- und die künstlich beschneiten Pisten runterzufahren?

Marlen Marconi: Sowohl bei Grossveranstaltungen als auch beim Wintertourismus gibt es Potenzial für eine ökologisch nachhaltigere Gestaltung, beispielsweise durch erneuerbare Energie oder die Anreise mit dem ÖV. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, Interessen abzuwägen. Das heisst nicht, auf Komfort und Spass verzichten zu müssen, sondern bewusster zu leben und technologische Fortschritte zur CO2- Reduktion zu fördern. Genau hier setzt der Verein an. Dabei geht es nicht nur um die ökologische Komponente. Der Wintertourismus ist für einzelne Regionen die wichtigste Einnahmequelle. Kurzum: Wir müssen Dinge und Gewohnheiten ändern, klar, doch es geht nicht darum, alles über den Haufen zu werfen.

Marlen Marconi in Zürich
Marlen Marconi, Präsidentin des Vereins Snowstainability

Nicholas, auf eurer Webseite steht der Satz: «Unsere Winter zu schützen, ist so einfach wie eine Jacke zuzumachen!» Ist das wirklich so einfach?

Nicholas: Wenn es um unsere Kampagne für die klimafreundliche Reise in die Berge geht, ist es tatsächlich so einfach. Den grössten Einfluss auf das Klima verursacht nämlich nicht der Skibetrieb. 50 bis 70 Prozent des CO2-Ausstosses eines Skigebiets entfallen auf die An- und Abreise mit dem Auto. Über 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung fährt regelmässig in die Berge, zum Wintersport oder Wandern – um die geht es uns. Bezogen auf die Klimakrise reichen individuelle Verhaltensänderungen allein jedoch nicht aus, es braucht auch griffigere politische Rahmenbedingungen. Deshalb haben wir uns für das CO2-Gesetz stark gemacht und unterstützen die Gletscher-Initiative, denn die Politik muss den Weg für Wirtschaft und Gesellschaft vorgeben. Und hier ist noch viel zu tun!  

Marlen, du bist nicht nur Präsidentin des Vereins Snowstainability, sondern auch Leiterin strategische Projekte bei Swiss-Ski. Schneesport und Nachhaltigkeit – wie geht das zusammen?

Marlen: Das ist eine Herausforderung, die wir aktiv und gemeinsam angehen müssen. Mit der Gründung des Vereins Snowstainability wurde ein erster Schritt gemacht, um Know-how zu bündeln und finanzielle Ressourcen für den nachhaltigen Schneesport zu generieren. Erste Projekte, die zusammen mit der BKW in Angriff genommen wurden, sind beispielsweise ein solarbetriebenes Starthäuschen oder die Umstellung der Beleuchtung der Skisprungschanze Einsiedeln auf LED. Für Swiss-Ski ist Snowstainability ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeitsstrategie 2022 bis 2030. Zudem ist es für Swiss-Ski wichtig, dass Grossveranstaltungen, zum Beispiel die Biathlon-WM 2025, so nachhaltig wie möglich durchgeführt werden. Das Themenfeld ist gross und reicht vom Abfallkonzept bis zu Infrastruktur- und Sportförderungsprojekten.  

«Um etwas zu verändern, müssen wir alle an einem Strang ziehen.»
Marlen Marconi

Ihr habt viele gemeinsame Ziele. Könnt ihr euch vorstellen, künftig mehr zusammenzuarbeiten?

Nicholas: Unbedingt, denn wir haben ähnliche Ziele und sprechen dieselben Leute an. Zudem sind mehrere Swiss-Ski-Athletinnen und -Athleten POW-Botschafter und -Botschafterinnen, darunter Daniel Yule, Michelle Gisin oder Sarah Höfflin. Ich hoffe, dass sich in Zukunft noch mehr Athletinnen und Athleten für das Thema einsetzen. Denn ohne Winter gibt es keinen Skisport.  
Marlen: Auch wir sehen darin eine tolle Chance, Synergien zu nutzen, damit unsere Natur auch künftig Sportlerinnen und Sportlern zugänglich bleibt. Eins ist klar: Um etwas zu verändern, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Den Schneesport in eine nachhaltige Zukunft zu führen, schaffen wir nur gemeinsam.     

Weiterführende Infos

Snowstainability

Der Verein ist eine Gründung des Schweizer Skiverbands Swiss-Ski und der BKW. Gemeinsam soll die Zukunft des Schneesports nachhaltiger gestaltet werden.

 

Protect Our Winters (POW)

Der 2017 in der Schweiz gegründete Verein ist der Schweizer Ableger der vom amerikanischen Snowboarder Jeremy Jones gegründeten Non-Profit-Organisation.

Schneesport

Schneesport

Wir sind Premium- und Nachhaltigkeits-Partnerin von Swiss-Ski und unterstützen die Athletinnen und Athleten. Und wir sind bei den grossen Schweizer Weltcup-Events in den Bereichen Ski Alpin, Ski Nordisch und Skicross präsent.

Corporate Responsibility

Corporate Responsibility

Mit nachhaltigen Lösungen in den Bereichen Energie, Gebäude und Infrastruktur tragen wir zu einer lebenswerten Zukunft bei. Wir gehen schonend mit unseren Ressourcen um und übernehmen Verantwortung als Arbeitgeberin und Geschäftspartnerin.

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