Ein Start-up mit überzeugenden Ambitionen

Noch umgibt das Start-up Energy Solutions ein Hauch Silicon Valley. Doch der neue Player am deutschen (Hochspannungsanlagen-)Markt hat Grosses im Sinn. Mit innovativen Energiedienstleistungen will die Geschäftseinheit von BKW Infra Services Europa SE schon bald über die deutschen Grenzen hinauswachsen.

Trotz Video-Interview ist Alexandra Krämers Elan fast physisch spürbar: «Ich bin glücklich, weil ich mithelfen darf, die Digitalisierung und Dekarbonisierung der Stromnetzdienstleistungen voranzutreiben», sagt sie in ihrem neuen Büro im deutschen Weiterstadt, nahe der Universitätsstadt Darmstadt, ins Headset. «Wir möchten als Start-up eine Nische besetzen, in der nur wenige herstellerunabhängige Systemanbieter tätig sind.» 

Das Wir bezieht sich auf die fünf Mitarbeitenden von Energy Solutions: Heiko Richter, Leiter Energy Solutions; Peter Jäger, Kaufmännische Leitung; Jürgen Barthel, Leitung Engineering & Projekte; Peter Nast, Leitung Vertrieb, sowie Alexandra Krämer, Leitung Innovation & Digitalisierung, die stellvertretend für ihre Kollegen spricht. 

«Wir möchten als Start-up eine Nische besetzen, in der nur wenige herstellerunabhängige Systemanbieter tätig sind.»
Alexandra Krämer

Das Stromnetz hinkt der Energiewende hinterher

Seit Beginn dieses Jahres bilden sie das Start-up Energy Solutions, angegliedert bei BKW Infra Services. Die grossen Treiber ihres Markts sind die Verlinkung des europäischen Stromnetzes, der Rückbau der konventionellen Energieerzeugung und der Ausbau der erneuerbaren Energien. 

Seit zehn Jahren steigt der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix kontinuierlich. «Doch das Stromnetz wurde nicht im gleichen Masse ausgebaut», sagt Alexandra Krämer. Um auch beim Netzausbau mit der Energiewende Schritt zu halten, erarbeiten die Transportnetzbetreiber alle zwei Jahre den Netzentwicklungsplan, der durch die deutsche Bundesregierung in geltendes Recht überführt wird. Der Plan legt fest, welche Netzabschnitte wann ausgebaut werden sollen. «Dieses Papier gibt uns Planungssicherheit.» Neben der neu gegründeten Energy Solutions ist auch die BKW Tochtergesellschaft LTB Leitungsbau GmbH im Netzausbau tätig – und übernimmt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Netzentwicklungsplans. 

«Die Kolleginnen und Kollegen der LTB sind für uns auch bei der internen Organisation eine grosse Hilfe», sagt Alexandra Krämer. Als Start-up verfüge die Energy Solutions noch über keine eigene Personalabteilung oder andere notwendige administrative Strukturen. «Wir sind sehr dankbar, dass wir auf die Shared Services der LTB zurückgreifen können.» Zusätzlich befähigt die enge Zusammenarbeit mit Arnold und BKW Engineering das Start-up, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: «Wir können unseren Elan in den Ausbau des Start-ups stecken, um schnell operativ tätig zu werden und wachsen zu können», bestätigt Alexandra Krämer. 

Die grosse Nachfrage nach Speicherlösungen

Das Kerngeschäft der Energy Solutions betrifft die Umspannwerke – oder Unterstationen, wie die Schweizer sagen. «Wir konzipieren die Erweiterung und den Neubau von Umspannwerken und setzen die Planung technisch um. Zum Beispiel mit integrierten Kompensationsanlagen», erklärt Alexandra Krämer. Dies sei nötig, um das Stromnetz beim Transport der Energie durch die verschiedenen Netzebenen stabil zu halten. «Zudem planen wir auch den Anschluss von Speicheranlagen, in der Form, wie sie aktuell beispielsweise in der Marktsondierung der TransnetBW zum Projekt Netzbooster erforderlich sind.» Solche Massnahmen stabilisieren das Stromnetz, das durch die Volatilität der erneuerbaren Energien belastet wird. 

Die Nachfrage geht über Deutschland hinaus. Sie bildet die Grundlage für die internationalen Wachstumspläne der Energy Solutions, die sich von Deutschland via Österreich in weitere europäische Länder ausdehnen will. 

Gruppenbild
Ein eingespieltes Team (v.l.n.r.): Jürgen Barthel, Peter Nast, Peter Jäger, Alexandra Krämer, Heiko Richter. Bilder: Alex Becker

Start-up-Groove auf der Dachterrasse

Die Stimmung in den Büros des Headquarters ist geprägt vom Start-up-Groove. «Wenn wir auf unserer Dachterrasse endlich ein Grillfest machen dürfen, ist das Silicon Valley nicht mehr weit entfernt», sagt Alexandra Krämer und lacht. Momentan arbeiten die fünf Gründungsmitglieder wegen der Pandemie kaum gemeinsam im Büro. «Wir kennen uns schon lange, was diese Ausgangslage deutlich leichter macht», sagt sie. Alle fünf haben schon beim früheren Arbeitgeber zusammengearbeitet.

«Uns treiben innovative, kreative und digitale Ideen an.»
Alexandra Krämer

Weshalb mit 50 noch in ein Start-up wechseln?

Die meisten der Bürokollegen von Alexandra Krämer sind über 50 Jahre alt. Sie wurden oft gefragt, weshalb sie jetzt noch in ein Start-up wechseln. «Wir sind stark angetrieben von innovativen, kreativen und digitalen Gedanken», meint Alexandra Krämer stellvertretend für das ganze Team. «Zudem sind wir überzeugt von der Idee der CO2-Neutralität.» Klimaschutz sollte nicht nur ein Thema der Jugend sein, sondern als Ziel in der Industrie ankommen. «Nicht nur bei den Produkten, sondern auch in der Art, wie wir zusammenarbeiten.» Getreu dieser Prämisse will die Energy Solutions bis Ende des Jahres eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeiten – und sich selbst verpflichten, bis 2030 CO2-neutral zu sein. 

In memoriam Peter Nast

Mit grosser Betroffenheit erreichte die BKW nach der Fertigstellung dieses Artikels die Nachricht, dass Peter Nast im Alter von 57 Jahren unerwartet verstorben ist. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gilt allen Hinterbliebenen. Dieser Artikel erscheint nach Rücksprache mit seiner Familie im Gedenken an Peter Nast. 

Beitrag aus Inmotion

Dieser Beitrag stammt aus «Inmotion», dem Magazin für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BKW Gruppe. Die ganze Ausgabe als PDF finden Sie hier.

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