Wo Wasser einst eingeengt floss, entsteht heute Schritt für Schritt ein neuer Lebensraum

An der Birs in Sorvilier und Court zeigt sich, wie Hochwasserschutz und ökologische Aufwertung zusammenwirken. Ein Projekt, das nicht nur den Fluss verändert, sondern auch neue Perspektiven für Mensch und Natur schafft.

Seit 2023 unterstützt der BKW Ökofonds ein ökologisch besonders ambitioniertes Wasserbauprojekt an der Birs in den Gemeinden Sorvilier und Court. Die Birs zählt zu den bedeutendsten Bachforellengewässern im Kanton Bern und besitzt darüber hinaus eine hohe Bedeutung als Lebensraum für zahlreiche weitere aquatische Organismen. Seit mehreren Jahrzehnten wird jedoch in der Schweiz ein markanter Rückgang der Bestände von Bachforelle und Äsche beobachtet. Die Ursachen sind vielfältig: Gewässerverbauungen, strukturarme Gerinne, Wanderhindernisse, veränderte Abflussregime sowie steigende Wassertemperaturen setzen den Populationen zu.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Wasserbauprojekt an der Birs eine besondere Rolle zu. Das Vorhaben ist Teil des regionalen Entwässerungsplans (REP) Birs, Abschnitt 53. Es verbindet Hochwasserschutz mit einer umfassenden ökologischen Aufwertung eines rund drei Kilometer langen Gewässerabschnitts.

Sicherheit und Natur im Gleichgewicht

Ziel des Projekts ist es, die Bauzonen von Sorvilier und Court gegen Hochwasser zu schützen und gleichzeitig den Flussraum ökologisch deutlich aufzuwerten. Die Schutzmassnahmen sind auf ein hundertjähriges Hochwasserereignis mit einem Abfluss von 55 m³/s ausgelegt. In diesen Abschnitten steht nicht der Schutz von Infrastrukturen im Vordergrund, sondern die Schaffung eines vielfältigen Gewässer- und Auenlebensraums. Diese Kombination aus Sicherheit und ökologischer Revitalisierung entspricht einem modernen, integralen Wasserbauverständnis.

Ein Kernstück des Projekts bildet der obere Abschnitt in Sorvilier. Auf einer Länge von rund 800 Metern wird der Birs ein neuer, naturnaher Flusslauf ermöglicht. Dabei werden ehemalige Mäander des historischen Gewässerverlaufs reaktiviert und in die heutige Flusslandschaft integriert. Die neu angelegten Talmäander schaffen abwechslungsreiche Strömungsverhältnisse, flache Uferbereiche, Kolke und Kiesbänke. Dadurch entstehen Laichplätze für Bachforelle und Äsche sowie wertvolle Rückzugs- und Aufwuchsgebiete für Jungfische. Gleichzeitig profitieren Amphibien, Insekten und auentypische Pflanzenarten von der neu gewonnenen Strukturvielfalt.

Die Bauphase aus der Vogelperspektive
Die Bauphase aus der Vogelperspektive

Zusammenarbeit und Wirkung

Die Revitalisierung in Sorvilier zeigt, wie sich wasserbauliche Anforderungen mit ambitionierten ökologischen Zielsetzungen verbinden lassen. Ohne die koordinierte Umsetzung mit dem benachbarten Projektabschnitt in Court wäre insbesondere die Mäanderreaktivierung in dieser Form nicht realisierbar gewesen. Das Projekt steht somit auch für eine erfolgreiche gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.

Das kantonale Fischereiinspektorat begleitet das Projekt von der Planung bis zur Bauabnahme. Dadurch wird sichergestellt, dass die Anforderungen an die Gewässerökologie konsequent berücksichtigt werden. Wo immer möglich, werden Hindernisse für die Fischwanderung beseitigt oder durch geeignete Massnahmen ersetzt. Die Durchgängigkeit des Gewässers ist eine zentrale Voraussetzung für stabile Fischpopulationen, da sie den genetischen Austausch zwischen Teilpopulationen ermöglicht und die Erreichbarkeit von Laich- und Nahrungsgebieten sicherstellt.

Aus ökologischer Sicht ist das Projekt ausgesprochen ehrgeizig. Es geht weit über eine reine Kompensation baulicher Eingriffe hinaus und strebt eine substanzielle Wiederherstellung vielfältiger Wasser- und Auenlebensräume an. Die Aufwertungen im Zusammenspiel mit dem Abschnitt in Court führen zu einer grossräumigen Verbesserung der ökologischen Funktionalität der Birs. Gleichzeitig wird durch die Unterhaltspflicht der Gemeinden gemäss Wasserbaugesetz die langfristige Sicherung der geschaffenen Werte gewährleistet.

Unterstützt durch den BKW Ökofonds

Mit dem Wasserbauprojekt in Sorvilier und Court entsteht ein ökologisch wertvoller, strukturreicher Gewässerabschnitt mit hoher Biodiversität und verbesserter Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen. Die neu geschaffenen Lebensräume tragen dazu bei, die Bestände von Bachforelle und Äsche langfristig zu stabilisieren und der Birs ihren Charakter als bedeutendes Forellengewässer zu erhalten.

Die Unterstützung durch den BKW Ökofonds ist nicht nur finanzieller Natur. Mit einem Beitrag von insgesamt 270’000 Franken an die beiden Projektabschnitte in Sorvilier und Court leistet der Fonds einen substanziellen Beitrag zur Umsetzung der ökologischen Aufwertungsmassnahmen. Sie ist auch ein klares Bekenntnis zu einer beständigen Förderung der Gewässerentwicklung im Kanton Bern. Projekte wie jenes an der Birs zeigen, dass ökologischer Mehrwert, Hochwasserschutz und regionale Entwicklung kein Widerspruch sein müssen, sondern sich gegenseitig stärken können.

Die Bauphase aus der Vogelperspektive

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