Das passiert mit dem Material aus dem Rückbau

Beim Rückbau entsteht mehrheitlich normaler Bauschutt. Nur ein kleiner Teil des Materials ist während des Betriebs mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen. Davon lässt sich ein Grossteil reinigen und wiederverwerten oder ablagern.

Abfälle und Entsorgung

Mengen

Die Gesamtmasse des KKM beträgt rund 200 000 Tonnen. Etwa acht Prozent davon sind radioaktiv verunreinigt – der grösste Teil aber nur gering. Dieses Material lässt sich nach einer speziellen Reinigung als normaler Bauschutt deponieren oder wiederverwerten. Übrig bleiben knapp zwei Prozent radioaktive Abfälle, die speziell entsorgt werden müssen.

Reinigung und Freimessung

Unser Hauptziel ist es, die radioaktiven Abfälle auf ein Minimum zu reduzieren. Daher reinigen wir so viel Material wie möglich. Teilweise genügt einfaches Abwischen. Andere Teile werden mit Wasser oder Stahlkügelchen hochdruckgereinigt. Durch sogenanntes Freimessen wird überprüft, ob das Material nicht mehr radioaktiv verunreinigt ist und normal deponiert oder wiederverwertet werden kann. Was nicht gereinigt werden kann, wird für die spätere Tiefenlagerung verpackt. 

Freimessung eines Splitterschutzsteins
Mitarbeitende messen einen Splitterschutzstein frei.

Abklinglagerung

Lässt man gewisses schwachaktives Material einige Jahre abklingen, sinkt seine Radioaktivität ohne spezielle Behandlung so tief ab, dass es nicht mehr als radioaktiv gilt. Laut Gesetz sind dies 30 Jahre. Abgeklungenes Material kann anschliessend als normaler Abfall deponiert oder wiederverwertet werden. Durch die Abklinglagerung wird die Menge der radioaktiven Abfälle stark reduziert. 

Schwach- und mittelaktive Abfälle

Zu den schwach-und mittelaktiven Abfällen gehören zum Beispiel Harze aus Reinigungsanlagen der Abwasseraufbereitung, kontaminierte Arbeitskleider des Kraftwerkspersonals oder zurückgebaute Gebäudeteile und Leitungen. Sofern diese nicht gereinigt werden können, müssen sie für die Tiefenlagerung behandelt und verpackt werden. Anschliessend werden sie – bis zur definitiven Einlagerung in einem geologischen Tiefenlager – ins zentrale Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen gebracht.

Brennelemente – hochaktive Abfälle

Die ausgedienten Brennelemente klingen mehrere Jahre im Brennelementlagerbecken des KKM ab, bevor sie ins Zwilag gebracht werden. Später kommen sie – wie die schwach-und mittelaktiven Abfälle – in ein geologisches Tiefenlager. Bis 2024 sind alle Brennelemente aus dem KKM abtransportiert.

Brennelemente im Brennelementlagerbecken
Brennelemente im Brennelementlagerbecken

Zentrales Zwischenlager in Würenlingen

Im zentralen Zwischenlager in Würenlingen (Zwilag) werden die radioaktiven Abfälle so lange aufbewahrt, bis ein geologisches Tiefenlager gebaut und in Betrieb ist. Dafür bleibt reichlich Zeit. Das Zwilag ist nämlich gross genug, um sämtliche Abfälle aus Betrieb und Rückbau aller fünf Schweizer Kernkraftwerke aufzunehmen (ausgehend von einer Betriebsdauer von 60 Jahren).

Zwilag
Das zentrale Zwischenlager in Würenlingen

Geologisches Tiefenlager

Ein geologisches Tiefenlager schützt Mensch und Umwelt langfristig vor radioaktiven Abfällen. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra, gegründet von den Betreiberinnen der Kernkraftwerke und vom Bund) hat die Aufgabe, einen sicheren Standort für ein Tiefenlager zu suchen, dieses zu bauen und zu betreiben. Die Suche nach einem sicheren Standort ist ein langer Prozess und läuft in Etappen. Drei mögliche Standorte für ein hochaktives und ein schwach- und mittelaktives Lager werden geologisch vertieft untersucht. Auf dieser Basis wird die Standortwahl getroffen.

Das Schweizer Entsorgungskonzept sieht zwei geologische Tiefenlager vor: ein Lager für hochaktive Abfälle und ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle. Als Alternative bietet sich auch die Möglichkeit, die beiden Tiefenlager in einem Kombilager zusammenzuführen. Die Lager werden in mehreren Hundert Metern Tiefe in einer Gesteinsschicht aus Opalinuston liegen. Sie bestehen je nach Art der Abfälle aus Lagerstollen oder Lagerkavernen, einem Pilotlager für die Überwachung eines repräsentativen Teils der Abfälle, einem Testbereich, Infrastrukturanlagen und Zugangstunnel. Die geologischen Tiefenlager stellen den langfristigen Schutz von Mensch und Umwelt sicher.

Geologisches Tiefenlager (Kombilager)
Geologisches Tiefenlager für hochaktive Abfälle sowie schwach- und mittelaktive Abfälle (Kombilager) © Infel Corporate Media

Sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle

Bereits während des Betriebs eines Kernkraftwerks – aber insbesondere auch bei dessen Rückbau – entstehen radioaktive Abfälle. Diese müssen sachgerecht entsorgt werden. Das Schweizer Entsorgungskonzept sieht dafür die Lagerung in tiefen Gesteinsschichten vor. Bis über einen Standort entschieden und das Tiefenlager betriebsbereit ist, werden die Abfälle im zentralen Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen zwischengelagert. Auf dem Gelände des KKM befindet sich nach 2030 kein radioaktives Material mehr.

Verpackung der radioaktiven Abfälle

Die Brennelemente, welche für die Energieproduktion benötigt wurden, bleiben zuerst für einige Jahre im Brennelementlagerbecken des KKM. Wenn ihre Radioaktivität stark abgeklungen ist und sie weniger Wärme abgeben, werden sie im Brennelementlagerbecken in Transportbehälter verpackt, ins Zwilag transportiert und dort in Lagerbehälter für hochaktive Abfälle umgeladen. Diese Arbeiten haben wir bereits während des Leistungsbetriebs regelmässig durchgeführt. Auch das Transportaufkommen rund um das KKM entspricht in den ersten Jahren nach der Abschaltung ungefähr jenem im Leistungsbetrieb.

Schwach- und mittelaktive Abfälle – zum Beispiel Harze aus Reinigungsanlagen der Abwasseraufbereitung oder kontaminierte Arbeitskleider des Kraftwerkspersonals – werden ebenfalls so behandelt, dass sie dereinst in einem geologischen Tiefenlager eingelagert werden können – genau gleich wie im Leistungsbetrieb. Flüssige Abfälle werden verfestigt, komprimierbare Abfälle gepresst und brennbare Abfälle in der Plasmaanlage des Zwilag verbrannt. Die dabei entstehenden Abgase werden gereinigt und die Rückstände als radioaktiver Abfall entsorgt. Die Abfälle werden entweder im KKM oder im Zwilag verpackt. Die Entsorgungsbehälter schliessen die Abfallprodukte dicht ein. Sie lassen sich einfach und sicher handhaben und sind robust gebaut.

Transport und Logistik

Beim Rückbau des KKM fällt vor allem normaler Bauschutt an. Der Abtransport der radioaktiven Materialien und Abfälle macht nur einen kleinen Teil der Transporte aus. Wir planen und optimieren die Anzahl der LKW-Fahrten während der gesamten Stilllegung und reduzieren sie auf das notwendige Mass.

Bis 2024 entspricht das Transportaufkommen rund um das KKM ungefähr jenem im laufenden Betrieb: Mehr als die Hälfte aller LKW-Fahrten dienen der Versorgung der Anlage, beispielsweise für das Personalrestaurant. Weniger als fünf Prozent zwischen 2019 und 2020 beziehungsweise weniger als zehn Prozent zwischen 2020 und 2024 sind Transporte mit radioaktiven Abfällen, die ins Zwilag nach Würenlingen gebracht werden. Bis Ende 2024 sind alle Brennelemente vom KKM abtransportiert. Ab dann werden nur noch schwach- und mittelaktive Abfälle ins Zwilag gebracht.

Zwischen 2024 und 2030 rechnen wir mit einer leichten Zunahme der LKW-Fahrten, da vermehrt sowohl radioaktives als auch konventionelles Material oder Abfälle abtransportiert werden müssen. Nach 2030, wenn das KKM frei von radioaktivem Material, aber noch nicht behördlich kontrolliert ist, finden nur noch Entsorgungsfahrten mit normalem Abfall sowie Versorgungsfahrten statt. 2031 kontrollieren die Behörden das Areal. Wenn sie keine radiologischen Gefahrenquellen mehr feststellen, kann das Areal entweder industriell oder naturnah neu genutzt werden. Die Anzahl der Transporte nach 2031 hängt davon ab, wie das heutige Gelände des KKM nach Abschluss der Stilllegung genutzt wird. Wenn wir sämtliche Gebäude abbrechen und den Bauschutt vom Gelände abtransportieren, rechnen wir mit rund 20 LKW-Fahrten pro Tag.