Future of Work: Wie arbeiten wir morgen?

Collaboration-Lösungen, Augmented Reality, Telepresence-Roboter – der Dschungel technologischer Entwicklungen wächst rasant und wird immer undurchsichtiger. Luca Bino ist Future of Work Catalyst bei der swisspro Solutions AG, einem Unternehmen aus dem Netzwerk der BKW Building Solutions, und hilft seinen Kunden dabei, einen individuellen Weg durch die digitale Transformation zu finden. Sein Ziel: nicht nur neue Programme und Entwicklungen einführen, sondern vor allem den begleitenden Mindshift in die Wege leiten.

Luca Bino, wie arbeiten wir in Zukunft?

Das lässt sich schwer sagen, denn die zunehmende Globalisierung, der demo­grafische Wandel und neue Techno­logien verändern unsere Arbeitswelt ständig. Als Future of Work Catalyst schlage ich die Brücke zwischen unserem Innovation Team, das mit Themen wie Artificial Intelligence oder Augmented Reality in die Zukunft blickt, und unseren Kunden, die wissen möchten, was derzeit technisch möglich ist, um ihre spezifischen Bedürfnisse schon heute oder morgen zu erfüllen.

Welche Trends sind aktuell?

Zuhause, auf der Baustelle, unterwegs oder im Coworking-Space: Wir müssen virtuelle Räume schaffen, in denen Menschen von unterschiedlichsten Orten aus zusammenarbeiten können. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt und viele Unternehmen dazu gezwungen, auf die Schnelle Lösungen zu finden. Eine besondere Herausforderung liegt darin, auch die Kreativität und die Beziehungspflege bei der virtuellen Zusammenarbeit zu fördern. Damit das gelingt, muss ein entsprechender Mindshift, ein Bewusst­seinswandel, stattfinden.

Luca Bino, Future of Work Catalyst bei der swisspro Solutions AG
Luca Bino, Future of Work Catalyst bei der swisspro Solutions AG

Was sind die Top drei technologischen Entwicklungen?

An erster Stelle sehe ich Collaboration-Lösungen wie etwa «Microsoft Teams» oder «Zoom», die beinahe monatlich weiterentwickelt werden, um die virtuelle Zusammenarbeit noch effizienter zu gestalten. Ebenfalls sind digitale Whiteboard-Lösungen wie etwa «Colla­board» oder «Miro» gross im Kommen. Sie verlegen das gemeinsame kreative Arbeiten mit Post-its in den virtuellen Raum. Zuletzt: Ambient Computing, ein noch recht junger multidisziplinärer Ansatz. Er versucht, die Interaktion zwischen Mensch und Umwelt zu verbessern, indem er verschiedene An­wendungen wie das Internet of Things, künstliche Intelligenz oder maschinelles Lernen zusammenbringt.

Wo stehen Ihre Kunden im Transfor­mationsprozess?

Unsere Kunden sind teilweise verunsichert. Sie haben meist eine gute IT-Basisinfrastruktur, wissen aber oft nicht, wie sie diese weiterentwickeln sollen. Da sich kommende Entwick­lungen schlecht voraussagen lassen und bestehende Lösungen fortlaufend optimiert werden, ist es schwierig, vorauszuplanen und genaue Investi­tionskosten zu berechnen.

Wie gehen Sie auf diese Unsicherheit ein?

Wir vermitteln, dass die Transforma­tion Schritt für Schritt – also quasi als Evolution – stattfinden kann und es nicht immer eine Revolution sein muss. Unsere Kunden haben die Möglichkeit, Lösungen vor dem Kauf auszuprobie­ren. Durch diese «Entdeckungsphase» können sie besser abschätzen, ob für sie tatsächlich ein Mehrwert entsteht. Das nennen wir «Proof of Concept»; erst, wenn das Konzept oder der Pro­totyp dem Kunden gefällt, widmen wir uns weiteren wichtigen Faktoren wie Kosten, Sicherheit und der Einbindung in die bestehende IT-Infrastruktur, nicht umgekehrt. Dadurch sparen die Kunden und wir viel Zeit, denn Projekte werden gleich konkret und fassbar.

Welche Herausforderungen stellen sich den Anwendern?

Für die Mitarbeitenden ist es teilweise schwierig, mit neuen Arbeitsmitteln umzugehen, ohne eine entsprechende Anleitung und Begleitung zu erhalten – eine klare Vision, wie die Zusammen­arbeit gestaltet und der Workflow organisiert werden soll. Man darf nicht vergessen, dass sich die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, funda­mental verändert. Früher gab es nur wenige Kommunikationskanäle, heute sind es unzählige mehr und das kann unorchestriert für Verwirrung sorgen.

Zwei Männer unterhalten sich mithilfe eines Telepresence-Roboters.
Per Telepresence-Roboter kann man remote an physischen Sitzungen teilnehmen und sich sogar vor Ort bewegen.

Beschränkt sich das Thema Future of Work auf die Büroarbeit?

Keineswegs! Es geht darum, die Arbeitsumgebung für alle, egal, wo sie sich befinden und welches Interface sie ver­wenden, zu optimieren. Beispielsweise durch den Einsatz einer «RealWear»-Brille, die über einen integrierten Bild­schirm, eine Kamera und ein Mikrofon verfügt und so unter anderem die Kommunikation zwischen Mitarbeitenden auf der Baustelle und im Büro vereinfachen kann. Oder indem Telepresence-Roboter mit integriertem Display und Kamera genutzt werden, um remote an physischen Sitzungen teilzunehmen und sich dabei tatsäch­lich vor Ort bewegen zu können. Nicht zuletzt werden auch die Collabora­tion-Lösungen immer mobilefreund­licher, sodass sie eine gute Brücke zwischen Ausseneinsätzen und dem Büro schlagen.

Ist Future of Work für Sie als Spezia­list auch noch Zukunftsträumerei?

Nein, für mich ist die Zukunft bereits Gegenwart. Damit ich gut beraten kann, möchte ich alle Entwicklungen auserster Hand kennen und verwende daher sehr viele verschiedene Programme und Geräte. Für meine Kollegen und auch meine Familie ist meine Devise «test it, adopt it or drop it» sicher nicht immer ganz einfach, aber für meine Beratertätigkeit unerlässlich.

Wie schätzten Sie die Entwicklung in der Schweiz und im Ausland ein?

Wir müssen von dieser Einstellung, dass die USA und Asien innovativer sind als wir, wegkommen. Der Grund, dass die Schweiz neue Technologien zöger­licher aufnimmt, erkläre ich mir eher damit, dass sie in puncto Datenschutz sehr hohe Ansprüche hat und dass die Bevölkerung grossen Wert auf zwischenmenschlichen Kontakt legt. Jetzt geht es darum, die durch Corona beschleunigte Evolution nachhaltig weiterzuentwickeln und aus dieser «Testphase» zu lernen, die bewiesen hat, dass es auch anders geht.

Haben Sie Tipps, wie wir unsere Arbeit im Homeoffice schon jetzt auf das nächste Level bringen können?

Beispielsweise verwenden viele den Laptop in der Dockingstation und sind daher bei Videoanrufen ohne Bild oder aus einer suboptimalen Perspektive zu sehen. Warum nicht einfach einen Tripod oder einen Stapel Bücher nehmen und das Videobild über das Smartphone lau­fen lassen, während man die anderen Teilnehmenden auf dem PC-Bildschirm sieht? Manchmal ist man überrascht, wie viel Mehrwert bereits einfache, günstige Lösungen bringen. Wichtig ist es, neugierig zu bleiben, denn alte Wege öffnen keine neuen Türen.

swisspro Solutions AG

Seit 2012 begleitet die swisspro Solutions AG mittlere und grosse Unternehmen umfas­send und individuell durch die digitale Transformation. Das schweizweit tätige IT-Unterneh­men bietet Lösungen für jedes Kommunikationsbedürfnis. Ob Unified-Communication- und Collaboration-Lösungen, Net­working und Security, IT-Ser­vices oder Gebäudeinformatik –mit rund 240 Spezialisten an elf Standorten entwickelt, implementiert und betreibt die swisspro Solutions AG ganzheit­liche, individuelle Lösungen. Die swisspro Solutions AG ist eine von fünf Firmen der swisspro Group, die seit 2019 zum Netzwerk der BKW Building Solutions gehört.

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