Von wandernden Nasen und treppensteigenden Schneidern

Fische schwimmen gerne gegen den Strom. Dabei überwinden sie auch grössere Hindernisse – wie das Wasserkraftwerk Hagneck. Über 1'000 Fische passieren das Kraftwerk an Spitzentagen über ein Umgehungsgewässer. Das Kraftwerk steht damit besonders gut im Einklang mit der Natur und trägt neu das Gütesiegel naturemade star. Das Umgehungsgewässer und die Fischwanderung sind Schwerpunktthema im Jahresbericht des BKW Ökofonds. Die Mittel aus dem Fonds fliessen seit mehr als 20 Jahren in die ökologische Aufwertung von Gewässern.

Alle Fische wandern – ob zum Laichen, für die Nahrungssuche, für die Besiedlung neuer Lebensräume oder zum Überwintern. Auf ihrem Weg stossen sie oft auf künstliche Hindernisse. Dazu zählen auch Wasserkraftwerke mit ihren Stauwehren, die quer in Flussläufen liegen. Im Umgehungsgewässer entstehen Lebensräume Mit seiner Fischwanderhilfe nimmt das Wasserkraftwerk Hagneck eine Vorreiterrolle ein. Anstelle eines einarmigen künstlichen Fischpasses wurde ein mehrfach verzweigtes Umgehungsgewässer erstellt, das den Fischen mit einer Gesamtlänge von rund 550 Metern viele Möglichkeiten für den Aufstieg bietet. Zudem entstanden in den zig Becken und naturbelassenen Abschnitten des Umgehungsgewässers neue Lebensräume und Laichplätze für die Fische.

«Insgesamt konnten wir innerhalb eines Jahres knapp 45’000 aufsteigende Fische zählen, an Spitzentagen über 1’000.»
Martina Breitenstein, Biologin und Geschäftsführerin bei WFN – Wasser Fisch Natur AG

Seit diesem Jahr trägt das Kraftwerk Hagneck das Gütesiegel naturemade star. Dieses erhalten Kraftwerke, die besonders gut im Einklang mit der Natur stehen und die Artenvielfalt der Gewässer und Feuchtbiotope nicht behindern. Ebenfalls neu zertifiziert ist die Anlage der BKW in Kallnach. Mit Aarberg hat bereits im Jahr 2000 ein erstes Wasserkraftwerk der BKW das Gütesiegel des Vereins für umweltgerechte Energie (VUE) erhalten, später folgte Niederried-Radelfingen. Pro Kilowattstunde Strom aus naturemade star-zertifizierter Wasserkraft, die unsere Kundinnen und Kunden beziehen, geht ein Rappen in den BKW Ökofonds. So sind bereits rund 12,4 Millionen Franken zurück in die heimische Natur geflossen.

Kraftwerk Hagneck in der Natur
Das Umgehungsgewässer: gut in die Natur eingebettet.

«Für die Fischbestände ist die uneingeschränkte Durchgängigkeit der Gewässer absolut überlebenswichtig»

Wie nutzen die Fische die Umgehungsgewässer in Hagneck? Und wie ist der Stand der Forschung für die Wanderung flussabwärts? Die Biologin Martina Breitenstein, Geschäftsführerin bei WFN – Wasser Fisch Natur AG, gibt Auskunft.​​​​

Martina Breitenstein

Fische sind in Fliessgewässern ständig unterwegs. Warum bleiben sie nicht fix in einem Gebiet?
Martina Breitenstein: Fische müssen grundsätzlich mobil sein, da sie in einem sehr dynamischen Element leben. Bei Hochwasser beispielsweise werden sie mit der starken Strömung abgeschwemmt und müssen anschliessend wieder zu ihrem Unterstand zurückkehren können. Zur Fortpflanzung wandern viele Fischarten der Fliessgewässer stromaufwärts, da die noch schwimmschwachen Jungfische nach dem Schlüpfen mit der Strömung treiben. Auch zur Nahrungssuche sind sie immer unterwegs und wechseln ihren Standort zwischen Ruhehabitat und Jagdgründen und wieder zurück. Deshalb ist für die Fischbestände die uneingeschränkte Durchgängigkeit der Gewässer absolut überlebens-wichtig – sowohl mit als auch gegen die Strömung.

Im Wasserkraftwerk Hagneck hat WFN – Wasser Fisch Natur AG in Zusammenarbeit mit den Fischern ein Monitoring durchgeführt. Nutzen die aufsteigenden Fische das Umgehungsgewässer fleissig?
Ja, insgesamt konnten wir innerhalb eines Jahres knapp 45’000 aufsteigende Fische zählen, an Spitzentagen über 1’000. Darunter waren 29 Fischarten, von den kleinen Nasen und Schneidern bis zu über 80 Zentimeter grosse Seeforellen. In einer aktuellen Untersuchung chippen wir die aufsteigenden Fische und setzen sie im Unterwasser an verschiedenen Stellen wieder aus. 13 Antennen, die entlang des Umgehungsgewässers eingebaut sind, registrieren die wandernden Fische. So können wir neue Erkenntnisse zur Benutzung der einzelnen Aufstiegsarme, aber auch zur Abwärtswanderung der Fische oder zur Nutzung des Umgehungsgewässers als Lebensraum gewinnen.

Die Forschung beisst sich die Zähne aus, wenn es darum geht, die Fische flussabwärts an Kraftwerken vorbeizubringen. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Es ist und bleibt knifflig: Haben wir bei der Aufwärtswanderung die «Leitströmung», die den Fischen die Richtung für den Einstieg der Fischwanderhilfe zeigt, haben wir für die Abwärtswanderung keine hydraulische Leithilfe. Die Hauptströmung würde den abwärts wandernden Fisch direkt zur Turbine führen. Es gilt somit, den Fisch vor der Turbinenpassage zu schützen und in einen Abstiegskanal zu leiten. Bei Kraftwerken mit bis zu 90 m3/s Ausbauwassermenge wurden verschiedenste Massnahmen bereits umgesetzt, bei grösseren Ausbauwassermengen sind Pilotstudien im Gang. Detaillierte Monitorings sollen zeigen, wie wirksam diese Massnahmen für die abwärts wandernden Fische sind.

Das Interview in voller Länge finden Sie im Jahresbericht des Ökofonds.

BKW Ökofonds

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Im BKW Ökofonds setzen wir einen Teil unserer Einnahmen in Projekte zur Aufwertung von Fliessgewässern ein.

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