Mehr Lebensraum für Tiere in Zollikofen

Vom Versorgungspunkt zum Lebensraum: Der Trafoturm im Zentrum von Zollikofen zeigt, wie bestehende Infrastruktur neue Funktionen erhalten kann. Ursprünglich für die damalige Ziegelei errichtet, hat sich die Umgebung rund um den Turm über die Jahre verändert, ebenso wie seine Nutzung.

Im Frühjahr 2026 wurde die Trafostation gemeinsam mit dem Verein Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) ökologisch aufgewertet. An der Fassade entstanden Fledermauskästen und Nistmöglichkeiten für Mauersegler. Der NVM plante und realisierte die Massnahmen und übernimmt auch die Betreuung der Kästen. Die BKW unterstützte das Projekt und begleitete die Umsetzung vor Ort.

Aufwertung der Trafostation als Lebensraum
Die folgenden Bilder wurden vom Verein Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) zur Verfügung gestellt.

Nachgefragt bei Erich Lang vom Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM)

Erich Lang, wer ist der NVM?

Der Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) engagiert sich seit über 40 Jahren für den Natur- und Landschaftsschutz in Münchenbuchsee und der Region. Mit rund 240 Mitgliedschaften sensibilisiert der Verein die Bevölkerung für ökologische Themen und setzt sich aktiv für die Erhaltung, Aufwertung und Neuschaffung wertvoller Lebensräume ein.

Wie entstand das Projekt am Trafoturm in Zollikofen?

Die Idee entstand aus einem Impuls von Daniela Schmieder vom Fledermausverein Bern, die ebenfalls Mitglied im NVM ist sowie aus weiteren vereinsinternen Diskussionen. Der Standort eignet sich besonders gut, da entlang derselben Strasse bereits Mauersegler brüten und verschiedene Fledermausarten in Zollikofen vorkommen. Der hohe Trafoturm bietet ideale Voraussetzungen, um beiden Tiergruppen zusätzliche Nist- und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Wie wurde das Projekt umgesetzt?

Bei der Umsetzung konnte der NVM auf die Unterstützung von Mitgliedern des Natur- und Vogelschutzvereins Wasen zählen. Diese verfügen über grosse Erfahrung im Bau von Mauerseglernistkästen, die mithilfe einer Seilwinde für Wartungsarbeiten abgesenkt werden können. Die Fledermauskästen wurden von einem engagierten Mitglied des Fledermausvereins Bern hergestellt. Eine besondere Herausforderung waren die engen Platzverhältnisse vor Ort. Für die Montage musste deshalb ein Spezialkran eingesetzt werden, um die Arbeiten in der erforderlichen Höhe sicher auszuführen.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit der BKW?

Die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Gebietsleiter Daniel Nyffeler sowie Victoria Halter vom Umweltmanagement der BKW wurde als sehr positiv erlebt. Das Projekt konnte dank der konstruktiven und unkomplizierten Unterstützung rasch umgesetzt werden.

Welchen Beitrag leistet das Projekt für die Biodiversität?

Mit den neuen Nist- und Rückzugsmöglichkeiten wird das Angebot für Mauersegler und Fledermäuse erweitert. Dadurch können bestehende Populationen langfristig stabilisiert und unter günstigen Bedingungen auch gestärkt werden. Bereits heute wurden Mauersegler im Bereich des Trafoturms beobachtet. Für konkrete Bruterfolge ist es jedoch noch zu früh, da die Installation erst im Frühjahr erfolgt ist.

Was braucht es für eine langfristige Ansiedlung?

Entscheidend sind geeignete, gut zugängliche und möglichst störungsfreie Nistplätze. Ebenso wichtig ist ein ausreichendes Angebot an Fluginsekten in der Umgebung. Dieses wird durch naturnahe und biodivers gestaltete Gärten sowie weitere ökologisch wertvolle Flächen gefördert. Für Fledermäuse spielt zudem die Lichtverschmutzung eine wichtige Rolle. Möglichst dunkle Nächte begünstigen sowohl die Tiere selbst als auch die nachtaktiven Insekten, von denen sie sich ernähren.

Wie sieht die Zukunft aus?

Der NVM freut sich über die erfolgreiche Umsetzung des Projekts in Zollikofen. Bereits heute sieht der Verein Potenzial für ähnliche Vorhaben in einer Nachbargemeinde. Gleichzeitig soll dem neuen Standort genügend Zeit gegeben werden, damit sich die Tiere ansiedeln können. Da sämtliche Arbeiten auf freiwilliger Basis erfolgen, sind sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen begrenzt. Das Projekt in Zollikofen wurde vollständig vom NVM finanziert. Auch die Arbeitsleistungen der unterstützenden Fachpersonen aus Wasen wurden nicht verrechnet. Deshalb ist der Verein für finanzielle Unterstützung bei zukünftigen Projekten dankbar.

Welche Botschaft möchte der NVM weitergeben?

Wer sich für die Natur interessiert, findet zahlreiche Möglichkeiten, Arten gezielt zu fördern. Dabei geht es nicht nur um Nistkästen. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie Nahrungsangebot, Lebensraumqualität und die Vernetzung von Lebensräumen. In diesem Bereich besteht weiterhin grosser Handlungsbedarf. Gleichzeitig zeigen Projekte wie jenes in Zollikofen, dass durch die Zusammenarbeit engagierter Personen und Organisationen in kurzer Zeit viel erreicht werden kann – zum Nutzen der Natur und damit auch unseres eigenen Lebensraums.

Das Team mit Erich Lang, Fritz Hoffmann, Alfred Winkler und Daniela Schmieder welches die Nisthilfen installierte. v.l.n.r.