Etwa zwei Kilometer lang ist der Aareabschnitt zwischen der Seftau in der Gemeinde Bremgarten und der Halenbrücke bei Herrenschwanden in der Gemeinde Kirchlindach. Hier wurde ab Oktober 2024 gebaggert und gearbeitet, im April 2025 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Gründe für das Projekt waren der Hochwasserschutz, da die Verbauungen am rechten Aareufer in die Jahre gekommen waren, sowie die Änderung der Konzessionsstrecke und die Rückgabe in einwandfreiem Zustand an den Kanton. 

Eine ökologische Aufwertung war ebenfalls sinnvoll und notwendig, denn dieser Abschnitt der Aare ist von nationaler Bedeutung für die Äsche. Die etwa 40 Zentimeter grossen Fische befinden sich in der Schweiz auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten. Die Larven fanden bisher in den hart verbauten Uferabschnitten wenig Lebensraum. Die neu geschaffenen Strukturen auf dieser Strecke sind für die Äschenpopulation besonders wichtig: Es wurden Flachwasserzonen für Jungfische geschaffen, während sich erwachsene Fische in schnell fliessenden Abschnitten wohlfühlen. Zusätzlich findet das stark gefährdete Bachneunauge in den neu entstehenden sandigen Bereichen einen geeigneten Lebensraum. Seine augenlosen Larven (Querder) verbringen drei bis fünf Jahre eingegraben im Sand, bevor sie sich durch Metamorphose zu erwachsenen Tieren mit Augen entwickeln. Anschliessend pflanzen sie sich auf lockerem, feinkiesigem und gut durchströmtem Substrat fort und segnen danach das Zeitliche.

Wurzelstöcke, Totholz, Kies und Steine

Auf dem ganzen Abschnitt haben die Bauarbeiter Wurzelstöcke, Totholz, Kies und Steine platziert, sowohl am Ufer wie im Flussbett. In der Seftau wurde das Ufer abgeflacht und der Aare damit mehr Platz gegeben. Der Uferweg wurde stellenweise ins «Landesinnere» verlegt.

Insekten, Frösche und Wasservögel finden in solchen Flusslandschaften Lebensraum, den sie in zugebauten Gewässern nicht haben. Insgesamt wurden etwa 2,5 Millionen Franken in das Projekt investiert. Die ökologischen Massnahmen machten dabei die Hälfte der Baukosten aus. Getragen wurden diese Kosten zu je einem Drittel vom Ökofonds der BKW, vom Renaturierungsfonds des Kantons Bern und vom Ökofonds «naturemade» EWB (Energie Wasser Bern). Die andere Hälfte der Baukosten zugunsten des Hochwasserschutzes teilten sich der Bund, der Kanton Bern, die BKW und die Gemeinde Bremgarten.

Die Bauarbeiten stehen im Herbst 2025 kurz vor der Fertigstellung.
Die Bauarbeiten stehen im Herbst 2025 kurz vor der Fertigstellung.

Grosses Interesse an den Führungen

Am 15. März 2025 luden die Bauherren zum Tag der offenen Baustelle ein. Auf zwei Führungen wurde gezeigt und erklärt, was gebaut wurde und zu welchem Zweck. Am Schluss gab es Gratisverpflegung. Trotz nasskaltem Wetter kamen sowohl vor wie nach dem Mittag über 100 Personen. Unter den Besucherinnen und Besuchern war oft die Aussage zu hören: «Wow, da ist aber etwas gegangen!» Der verbreiterte Weg und die ökologischen Massnahmen wurden als gelungen bezeichnet und machten den Leuten Eindruck. Einige Einheimische äusserten jedoch auch die Befürchtung, dass der Erfolg ein wenig zum Bumerang werden könnte – dass nämlich die neue Seftau noch mehr Besucherinnen und Besucher anziehen könnte.

Einblick in die Umsetzung: Zahlreiche Gäste schauen sich das Projekt am Tag der offenen Baustelle an.

Weitere Einblicke zum Projekt in Bremgarten

Hintergrund zur Zuständigkeit beim Wasserbau in diesem Aareabschnitt

Mit der Neukonzessionierung des Wasserkraftwerks Mühleberg ist die Unterhaltspflicht des Aareufers von der BKW wieder an den Kanton Bern übergegangen, und zwar auf dem Abschnitt von der Wasserrückgabe des Kraftwerks Felsenau bis zur Halenbrücke. Daher wurde die BKW aufgefordert, den Aareabschnitt in einem «mängelfreien» Zustand zu übergeben. Seit 2018 wird der Zustand des Abschnitts evaluiert und der Handlungsbedarf ermittelt. Auf dieser Grundlage ist das Projekt entstanden, das nun umgesetzt worden ist.