Das Stromnetz der BKW erstreckt sich über 22'000 Kilometer und versorgt mehr als eine Million Menschen mit Strom. Überwacht wird dieses weit verzweigte Netz durch die ZLS. Die ursprüngliche ZLS wurde 1972 gemeinsam mit dem Kernkraftwerk Mühleberg in Betrieb genommen und ist seit Jahrzehnten das Herzstück des BKW Stromnetzes. Zwischen 2002 und 2012 wurden sämtliche regionalen Mittelspannungs-Leitstellen in der ZLS zusammengeführt. Seither fungiert sie als digitales Kontrollzentrum, in dem alle Leitungen und Schalter des BKW Stromnetzes abgebildet und überwacht werden. 

Betrieb unter Extrembedingungen

Besonders herausfordernd waren für die Mitarbeitenden der ZLS in Mühleberg die grossen Winterstürme wie Lothar oder Burglind. Während Burglind waren zeitweise bis zu 40'000 Kundinnen und Kunden ohne Strom, die Telefone liefen heiss. «Zum Teil mussten wir direkt in der Leitstelle übernachten, weil wir wussten, dass ab 3 Uhr morgens die Winde sehr stark und damit die Störungswahrscheinlichkeiten hoch sind», erinnert sich Philippe Rothermann, Leiter Netzbetrieb Planung & Engineering, der seit 17 Jahren bei der BKW tätig ist. «Bis zu 48 Stunden verbrachten wir damals in Mühleberg. Aber wir waren vorbereitet – mit Schlafräumen, Dusche und Küche.»  

Die Zerstörung bei den Stürmen Lothar (Bild) und Burglind war immens. Und eine grosse Herausforderung für die Mitarbeitenden der ZLS.

Die Angst vor dem Millennium

Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm Lothar laufen am 31. Dezember 1999 immer noch auf Hochtouren. Zeitgleich treibt ein anderes Schreckgespenst die Ingenieurinnen und Ingenieure in der ZLS in Mühleberg um. Der Jahreswechsel in die 2000er steht bevor, das Millennium. Sorgen bereitet den Fachleuten der sogenannte Millennium-Bug. Man befürchtet, die bestehende IT-Infrastruktur könne mit dem automatischen Jahreswechsel von 1999 auf 2000 nicht umgehen und das Computersystem stürze ab. Nicht auszudenken, was dies für die Stromversorgung für Konsequenzen hätte. In der ZLS steht das Regionalfernsehen «TeleBärn» vor Ort bereit, um live vom Jahreswechsel ins Jahr 2000 und möglichen Konsequenzen zu berichten. «Passiert ist damals glücklicherweise nichts, das Stromnetz fiel nicht aus», berichtet Philippe Rothermann. Die Computer und die IT-Infrastruktur leisten ihren Dienst wie gehabt. Dank der minutiösen Vorbereitung der BKW und den Backups der ABB arbeiten die Algorithmen auch nach Mitternacht zuverlässig weiter. 

Philippe Rothermann verantwortet die Koordination aller Schaltungen im BKW Netz. Ausserdem ist er zuständig für die Pikettingenieure sowie für den Betrieb der Netzleitsysteme und Rundsteueranlagen.

Von Fax zu Cloud – die rasante Entwicklung der Technik

Am längsten dabei ist Disponent Thomas Spycher. «Über die Zeit in Mühleberg könnte man ein ganzes Buch schreiben», erzählt er. Wenn er von 1991 bis heute zurückblicke, wirke der Fortschritt beinahe wie Science Fiction. 1991 war ein Taschenrechner mit Solarzelle Hightech; digitale Leitstellen galten als Zukunftsmusik. Heute greifen die Disponentinnen und Disponenten bei grossen Solaranlagen aus der ZLS heraus aktiv in die Einspeiseleistung ein, laufen mit Tablets und drahtlosen Messgeräten durchs Gebäude und rufen Schaltprogramme via VPNCloud ab. Ordnerberge voller Papierschaltanträge, rote Notizzettel und das unentbehrliche Faxgerät – etwa für Swissgrid-Warnungen zur Engpass-Reserve – sind Geschichte. Stattdessen sorgen Videokonferenzen, Bildschirm-Freigaben und sekundenschnelle Datenbank-Abfragen für Überblick. Gleich geblieben ist über 30 Jahre nur etwas: die stets gepflegte Kaffeemaschine. 

Thomas Spycher (links) bei der Taktikbesprechung anlässlich eines Fussballspiels des BKW Fussballclubs im Jahr 1996.

Die Entwicklung des Kommandoraums 1974 - 2025

Die Krux mit der Gülle

Für die über 30 Mitarbeitenden war Mühleberg weit mehr als nur ein Arbeitsplatz – es war ein Ort mit besonderem Charakter. «Dieses Wegsein von allem war angenehm. Wir konnten an der Aare joggen oder dort unsere Mittagspause verbringen. Auch für Pilotprojekte oder spontane Ideen war genug Platz vorhanden», beschreiben Thomas und Philippe die Vorteile des Standorts gleichermassen. Beruflich wie menschlich bleiben vor allem die gemeinsamen Herausforderungen in Erinnerung: «In schwierigen Momenten und bei Störungen haben wir stets als Team funktioniert. Gleichzeitig sind wir eine kleine Familie geworden – gemeinsame Grilltage, Weihnachtsessen, Würstlizmorgen oder der Fondueplausch haben den Zusammenhalt gestärkt,» erinnert sich Philippe. Und was wird am alten Standort nicht vermisst? Philippe schmunzelt: «Die Tage, an denen der Landwirt direkt vor meinem Büro Gülle gespritzt hat.» 

Der Weg an den neuen Standort war anspruchsvoll

Mit dem Wegzug von Mühleberg hat die BKW für die ZLS ein zukunftsweisendes Kapitel aufgeschlagen. Der neue Standort bietet nicht nur moderne technische Infrastruktur und eine stärkere Vernetzung mit anderen Betriebseinheiten, sondern ist auch mit dem öffentlichen Verkehr besser erreichbar. Als Teil der kritischen Infrastruktur durfte der Betrieb der ZLS zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. Der Übergang erforderte deshalb eine minutiöse Planung, umfassende Tests sowie den parallelen Betrieb beider Standorte über mehrere Wochen hinweg. Dank des grossen Engagements der Mitarbeitenden und der engen Zusammenarbeit zwischen Technik, IT und Betrieb verlief der Umzug im Juni 2025 reibungslos – ohne Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit. Die neue Zentrale Leitstelle steht sinnbildlich für die Innovationskraft der BKW: fest verankert in jahrzehntelanger Erfahrung und gleichzeitig ausgerichtet auf die Herausforderungen der Energiezukunft. Thomas und Philippe haben sich am neuen Ort bereits eingelebt. Denn auch am neuen Standort wird der Zusammenhalt der ZLS-Mitarbeitenden gross sein. Und es wird weiterhin Platz geben für gemeinsame Grilltage, Würstlizmorgen oder einen Fondueplausch.