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Fragen und Antworten zum Windkraftprojekt Fosen (Norwegen) rund um den Schutz der indigenen Bevölkerung und Umweltfragen

(Symbolbild BKW Windpark)

Bern, 11. Dezember 2018
Die BKW und Credit Suisse Energy Infrastructure Partners AG sind seit 2016 Teil des grössten Onshore-Windparkprojekts in Europa. Mit dem Konsortium Nordic Wind Power DA sind sie Teil der Fosen Vind DA. Diese wird angeschuldigt, sowohl die Kultur als auch die Lebensgrundlage der betroffenen indigenen Gemeinschaft der Südsamen stark zu gefährden. Konkret geht es um die Verletzung von Landrechten und die Nichteinhaltung des Selbstbestimmungsrechts. Entsprechend hat die Gemeinschaft der Südsamen in Norwegen und auf internationaler Ebene Beschwerde eingereicht. Wir nehmen als Konsortium Nordic Wind Power DA Stellung zu den Fragen, die auch im Kassensturz vom 11. Dezember 2018 thematisiert werden.

BKW und Credit Suisse fördern weltweit Investitionen in alternative Energien. Sie berücksichtigen bei der Umsetzung die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung. Das Projekt Fosen Vind hat ein strenges Bewilligungsverfahren durchlaufen, bei dem auch die rentierzüchtende Südsami-Gemeinschaft mehrfach konsultiert wurde. In ihrer Rolle als Minderheitsinvestoren haben Credit Suisse und BKW dies und die Einhaltung aller relevanten norwegischen und internationalen Vorschriften genau überprüft.

Ausgangslage
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) schildert uns dies wie folgt: Die grösste der sechs Windenergieanlagen soll im Gebiet Storheia bis 2020 den Betrieb aufnehmen. Storheia sei das wichtigste Winterweidegebiet einer rentierzüchtenden Südsami-Gemeinschaft. Durch die Windenergieanlagen werde für sie die Nutzung von etwa 44 Prozent ihrer Winterweiden verunmöglicht. Dies hätte – gemäss GfbV – zur Folge, dass die verbleibenden Züchterfamilien ihr traditionelles Gewerbe aufgeben müssten. Die samische Kultur sei eng mit der Rentierzucht verknüpft, um Identität und Sprache zu erhalten. Beides wäre mit dem Bau zusätzlich gefährdet.

Haltung Nordic Wind Power DA zur Bedrohung der samischen Kultur
Das ist ein sehr weitgehender Vorwurf. Wenn diese Gefahr effektiv bestehen würde, dann wäre das Projekt von den norwegischen Behörden nie bewilligt worden. Norwegen ist ein Rechtsstaat, welcher die Belange der indigenen Bevölkerung in der Verfassung garantiert und in der Rechtsprechung berücksichtigt. Die Einhaltung aller relevanten rechtsstaatlichen Prozesse und die Einhaltung internationaler Vorschriften haben diverse Abklärungen beim Investitionsentscheid und auch jetzt erneut bestätigt. Detaillierte Ausführungen zu den gestellten Fragen finden Sie nachfolgend.

Weshalb soll das Projekt auf der wichtigsten Winterweidefläche der Südsami gebaut werden?
Das Projekt war ursprünglich deutlich grösser. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens wurde das Projekt verkleinert. Anliegen bezüglich Winterweideflächen wurden berücksichtigt. Zentral ist: Das Weideland ist auch mit dem Bau des Windparks weiterhin nutzbar. Erfahrungen in Schweden – und übrigens auch bei einem Windpark etwas weiter nördlich von Storheia – zeigen, dass die Rentiere nach der Bauzeit wieder zurückkommen. Sogar wenn der Bau noch nicht abgeschlossen ist.

Effektiv beeinträchtigt durch den Windpark sind rund drei Prozent der Weidefläche. Und genau dafür sind Entschädigungszahlungen gedacht. Während der intensiven Bauzeit von 2018 bis 2020 ist die Beeinträchtigung grösser, danach aber ist die Fläche wieder frei nutzbar.

Die Präsidentin des norwegischen Sami-Parlaments, Aili Keskitalo, sagt, der südlichste Teil der Südsamischen Kultur sei durch dieses Projekt akut bedroht. Eine ganze Sprache und Kultur drohe zu verschwinden. Was sagt Nordic Wind Power dazu?
Wenn diese Gefahr effektiv bestehen würde, dann wäre das Projekt nie bewilligt worden. Norwegen ist ein etablierter Rechtsstaat, welcher die Belange der indigenen Bevölkerung in der Verfassung garantiert und in der Rechtsprechung berücksichtigt. Die Rentierzüchter werden nicht von dieser Tätigkeit abgehalten. Anpassungen in der Baubewilligung sorgten gar dafür, dass sich die Bedingungen verbessern. Ausserdem unterstützt das Projekt die Züchter – beispielsweise bei der elektronischen Markierung der Tiere – oder bezüglich Fütterung. Bei diesen Massnahmen geht es ja darum, die Kultur zu erhalten.

Warum hat das Konsortium mit dem Bau des Windparks im Süden begonnen, obwohl eine Einsprache der Südsamen hängig ist?
Das Projekt Fosen Vind hat ein strenges Bewilligungsverfahren durchlaufen, bei dem die rentierzüchtende Südsami-Gemeinschaft konsultiert wurde. Wir haben dies und die Einhaltung aller relevanten Vorschriften überprüft. Die Baubewilligung ist rechtskräftig. Sie wurde auch mehrfach bestätigt. Offen ist weiterhin die Frage nach der Entschädigung von drei Familien von Rentierzüchtern. Das sollte sich im nächsten Jahr klären.

Weshalb beteiligt sich das Konsortium an einem Projekt, das offenbar die Rechte der lokalen, indigenen Bevölkerung verletzt?
Wir nehmen solche Anschuldigungen ernst. Wir haben das erneut vertieft abgeklärt, auch mit unseren Partnern in Norwegen, welche das Projekt verantworten. Diese Abklärungen haben bestätigt, dass dieses Projekt durch ein intensives Mitwirkungsverfahren geplant worden ist und alle rechtlichen Schritte im Rahmen des rechtsstaatlichen Prozesses abgelaufen sind sowie der aktive Dialog mit betroffenen Bevölkerungsgruppen gesucht worden ist. Das zeigt sich auch dadurch, dass das Projekt mit verschiedenen Gruppen der samischen Minderheit erfolgreich eine Einigung erzielt hat.

Was sagt das Konsortium dazu, dass bei diesem Projekt die OECD Standards nicht eingehalten werden, denen ihre Unternehmen sich verpflichten?
Damit sind wir nicht einverstanden und unsere Abklärungen haben gezeigt, dass alle relevanten nationalen und internationalen Richtlinien ausnahmslos eingehalten wurden.

Die Naturschutzorganisation "Naturvernforbundet" hat gegen die Konzessionserteilung Klage eingereicht. Sie kritisieren, der Windpark würde in einem Gebiet gebaut, das von hohem Wert ist, was die Biodiversität anbelangt. Storheia sei unter anderem der Nährboden für diverse gefährdete Vogelarten, wie zum Beispiel den Uhu. Was sagt die BKW dazu?
Zum Zeitpunkt des Investitionsentscheids war das Bewilligungsverfahren bereits abgeschlossen. Da waren wir nicht involviert. Wir haben den ganzen Prozess kritisch hinterfragt bei der Prüfung der Investition. Statkraft hat uns aufgezeigt, dass alles Notwendige getan worden ist und Mensch und Umwelt ins Projekt miteinbezogen werden. Wir müssen uns bewusst sein, dass alle Projekte – auch jene der erneuerbaren Energien – einen Eingriff in die Natur darstellen. Es gilt die Verantwortung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass dieser so klein wie möglich ist. Das wird laufend kontrolliert.

Die Mehrheit des Projekts "Fosen" komme in unberührter Natur zu stehen, sagt "Naturvernforbundet". Diese Gebiete würden in Norwegen dramatisch schrumpfen. Stark davon betroffen sei die Region Trondheim. Der geplante Windpark nehme einen grossen Teil unberührter Natur, die noch geblieben sei, weg. Sei ein Windpark gebaut, werde das Gebiet zur Industriezone. Wieso unterstützt dies die BKW?
Wir als Gesellschaft wollen und müssen auch in Europa den CO2-Ausstoss reduzieren und damit von den fossilen Energieträgern wegkommen. Um das zu erreichen, ist der Ausbau der Windenergie wichtig. Der Vorteil der Windenergieanlagen ist, dass sie sich relativ leicht wieder zurückbauen lassen, sollten sie nicht mehr benötigt werden. Ursprünglich waren in der Gegend bedeutend mehr Anlagen und Windparks geplant gewesen. Aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes und aus Rücksicht auf die indigene Bevölkerung und die Rentierzucht wurde die Zahl der Parks reduziert und die Fläche deutlich verkleinert.

Weitere Hintergrundinformationen

Inwiefern ist BKW am Windkraftprojekt in Fosen beteiligt?
Über Nordic Wind Power DA – ein von der Credit Suisse Energy Infrastructure Partners AG gegründetes europäisches Investorenkonsortium – hat die BKW zusammen mit vier institutionellen Anlegern einen Anteil von 40 Prozent an Fosen Vind DA. Insgesamt werden in den Jahren 2018 bis 2020 sechs Windparks ans Netz angeschlossen. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf gut 1,1 Milliarden Euro, die die drei Partner Statkraft (52,1%), Nordic Wind Power DA (40%) und TrønderEnergi (7,9%) übernehmen.

Was ist die Grössenordnung dieses Projekts im europäischen Vergleich?
Das Projekt Fosen Vind ist das momentan grösste Onshore-Windkraftprojekt in Europa. Es wurde bereits früher in Erwägung gezogen, in der Region um Trondheim Windparks zu bauen, weil dort ideale Windverhältnisse herrschen. Dank der intensiven Zusammenarbeit von Statkraft, TrønderEnergi, BKW und der Credit Suisse Energy Infrastructure Partners AG konnte nun ein fokussiertes, ausgewogenes und rentables Projekt in die Wege geleitet werden. Die Windparks sind im Besitz der Fosen Vind DA.

Wie viel Strom soll mit den 6 Windparks für Fosen Vind produziert werden?
Die 278 Turbinen produzieren jährlich rund 3'400 GWh Strom – dies entspricht dem jährlichen Verbrauch von ungefähr 750'000 Schweizer Haushalten (für eine 4-Zimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler rechnet man durchschnittlich mit 4'500 kWh pro Jahr). Der Windpark Storheia alleine verfügt über 80 Turbinen und soll dereinst jährlich 1'000 GWh Strom erzeugen.

Wer ist im Konsortium Nordic Wind Power DA vertreten?
Das Konsortium Nordic Wind Power DA wurde von der Credit Suisse Energy Infrastructure Partners AG (CSEIP) gegründet, einer Investmentboutique mit Fokus auf den Energiesektor. Das Konsortium wird durch die Schweizer Energie- und Infrastrukturdienstleisterin BKW AG als Industriepartnerin sowie durch langfristig orientierte institutionelle Anleger unterstützt.

Wieso hat sich die BKW entschieden, in Windenergie in Norwegen zu investieren?
Die BKW will ihr bereits grosses Windkraftportfolio weiter ausbauen und die Transformation der Energiebranche weiter vorantreiben. Die BKW ist Teil des grössten Onshore-Windkraftprojekts in Europa und setzt damit ihre Strategie im Bereich Entwicklung erneuerbarer Energien um. Durch das Projekt Fosen Vind kann die BKW rentable Windkraftkapazitäten in Norwegen aufbauen und stärkt dabei das Portfolio durch geografische und regulatorische Diversität. Neben der Schweiz betreibt die BKW Windparks in Deutschland und Italien und seit 2015 auch in Frankreich.


Weitere Auskünfte

BKW AG
Tobias Fässler
Media Relations
Viktoriaplatz 2
3013 Bern
Tel. +41 58 477 51 07
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www.bkw.ch

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