Bern, 6. November 2018

Am 5. November 2018 war in den Titeln von Tamedia zu lesen, dass die Kunden der BKW doppelt so hohe Netztarife hätten, weil sie ihren Kunden unzulässig hohe Netztarife verrechne und damit Profitmaximierung betreibe. Dieser Vorwurf ist haltlos und entbehrt jeder rechtlichen Grundlage. Erstens macht die von der ElCom geprüfte synthetischen Bewertung älterer Anlagen im BKW Netz nur rund 30 Prozent des Anlagewertes aus und zweitens beträgt der Anteil der Kapitalkosten nur rund 40 Prozent am Netztarif. Schon deshalb ist es ausgeschlossen, dass BKW Kunden aufgrund der synthetischen Bewertung überrissene Netztarife bezahlen müssten. Die Preisdifferenzen zwischen den schweizerischen Verteilnetzen sind vor allem der Topographie und der unterschiedlichen Versorgungsstruktur geschuldet.

Im Überblick finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Netztarifen:

Wie setzen sich die Netztarife zusammen?
Die Netztarife setzen sich zu 40 Prozent aus Kapitalkosten, 40 Prozent Betriebskosten und 20 Prozent sogenannter Vorliegerkosten (Swissgrid) zusammen.

Das Stromnetz ist sehr kapitalintensiv. Die Leitungen müssen geplant, gebaut und betrieben werden. Diese Investitionen sind langfristiger Natur. So werden Netzanlagen im Durchschnitt für 40 Betriebsjahre ausgelegt. Das Stromversorgungsgesetz von 2008 fordert einen separaten Ausweis der anrechenbaren Netzkosten und die Ermittlung separater Netznutzungstarife. Basierend auf den Vorgaben der Stromversorgungsgesetzgebung wurde derjenige Teil der Netzanlagen der BKW, für welchen eine synthetische Bewertung vorgesehen war, entsprechend bewertet. Die ElCom hat die Anlagewerte der BKW im Detail geprüft und anerkannt. Die ElCom hat dabei festgestellt, dass die von der BKW bei der synthetischen Bewertung verwendeten Parameter nicht zu einer Überbewertung der Netzanlagen führen. Die Nutzungsdauer der einzelnen Anlagen sind in der Strombranche vorgegeben.

Die Betriebskosten berechnen sich aus dem Aufwand für den Betrieb des Verteilnetzes. Das sind Personal- und Materialkosten, Fahrzeuge und Arbeitsmittel für den Unterhalt, Kosten für Reparaturen, etc. Die Kosten müssen nachvollziehbar und angemessen sein. Die BKW ist dabei bestrebt, immer effizienter zu werden und im Interesse der Kunden die Betriebskosten so tief wie möglich zu halten.

Warum gibt es grosse Unterschiede in den Verteilnetzkosten?
Die Unterschiede liegen in den unterschiedlichen Versorgungskosten pro Anschluss in den jeweiligen Verteilnetzen. Zum Beispiel verfügt die BKW über ein topographisch sehr anspruchsvolles Netz im dünn besiedelten ländlichen Gebiet. Es erstreckt sich von der Alpenkette übers Mittelland und den Jurahöhen bis an die französische Grenze. Im Vergleich zu einem Netz im relativ dicht besiedelten Flachland müssen pro Netzanschluss bedeutend mehr Leitungskilometer verbaut werden. Ein Vergleich: Die BKW betreibt ein Netz von über 22'000 km Länge und hat rund 330'000 Endpunkte (Zähler). Die EKZ, welche mit dem Kanton Zürich ebenfalls ein ländliches Netz hat, verfügt nach ihren Angaben in einem Netz von 15'000 km über rund 375'000 Endpunkte. Ein direkter Vergleich zwischen den sehr unterschiedlichen Netzen der EKZ und BKW macht also bezüglich Netztarifen keinen Sinn.

Kann ein Verteilnetzbetreiber eine höhere Rendite erzielen?
Nein, beim Verteilnetz handelt es sich um ein natürliches Monopol das vom Bund reguliert wird. Das UVEK legt mit einem kalkulatorischen Zinssatz die Verzinsung des eingesetzten Kapitals fest. Aktuell liegt der sogenannte WACC bei 3.83 Prozent auf dem Restwert des Anlagevermögens. Dass ein kapitalintensiveres Verteilnetz absolut gesehen einen höheren Gewinn erwirtschaftet, liegt somit an dem höheren gebundenen Kapital: Die Rendite ist für alle gleich – bei 3.83 Prozent unabhängig davon, ob der Betreiber des Verteilnetzes in einer Aktiengesellschaft, einer Genossenschaft oder als öffentlich-rechtliche Anstalt organisiert ist. Eine höhere Rendite ist deshalb ausgeschlossen.

Das Verteilnetz der BKW
Die BKW versorgt rund eine Million Menschen rund um die Uhr zuverlässig mit Strom. Ihr Stromnetz erstreckt sich auf fünf Kantone (Bern, Neuenburg, Jura, Solothurn und Baselland) und umfasst Leitungen von über 22'000 Kilometern. Dieses Netz muss immer flexibler und intelligenter werden, da die Energie heute dezentral produziert wird und die Netze lernen mussten mit Gegenverkehr umzugehen. Die BKW investiert jährlich zwischen 100 und 120 Mio. Franken in den Unterhalt und die Erneuerung ihrer Netzinfrastruktur – damit die Kunden auch weiterhin zuverlässig und rund um die Uhr mit Strom versorgt werden können.

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