Christoph Ammann, als Volkswirtschaftsdirektor sind Sie für den Wirtschaftsstandort und Werkplatz Bern zuständig. Welche Bedeutung hat die BKW als Unternehmen und Arbeitgeberin für den Kanton?
Christoph Ammann: Die BKW hat für die Volkswirtschaft des Kantons Bern eine sehr grosse Bedeutung. Von den in der Schweiz und europaweit über 8000 Mitarbeitenden sind knapp die Hälfte im Kanton Bern tätig. Der Kanton Bern hält 52 Prozent der Aktien und profitiert dadurch unter anderem von Dividenden. Im Jahr 2018 waren es 49 Millionen Franken. Dazu kommen zehn Millionen Franken Unternehmenssteuern und 56 Millionen Franken weitere Erträge, insbesondere aus den Wasserzinsen.

Die BKW ist an der Schweizer Börse notiert. Ihr Aktienkurs hat sich in letzter Zeit positiv entwickelt. Wie ordnen Sie diese Entwicklung ein und was bedeutet sie für den Kanton Bern als Mehrheitsaktionär?
Die BKW hat sich angesichts des schwierigen Marktumfelds mit tiefen Strompreisen gut behauptet. Die eingeschlagene Strategie zahlt sich bisher betriebswirtschaftlich aus. Die BKW erwirtschaftet regelmässig Gewinne. Heute ist das Unternehmen zwei Milliarden Franken mehr wert als 2014. Davon profitiert auch der Kanton Bern.

In Bern verwurzelt, ist die BKW Gruppe heute in verschiedenen Bereichen erfolgreich international tätig. Welcher Gewinn resultiert für den Kanton aus dieser Strategie?
Sie macht das Unternehmen stärker und robuster. Dies ist im Interesse des Kantons Bern. Gerade bei der Energie und der Stromversorgung müssen wir über die Landesgrenzen hinausdenken, denn die Schweiz ist sehr eng mit dem europäischen Strommarkt vernetzt. Deshalb macht es Sinn, dass sich die BKW auch ausserhalb der Schweiz engagiert.
Aus meiner Sicht als Volkswirtschaftsdirektor ist es aber auch wichtig, dass die BKW ein Unternehmen mit starker regionaler Verwurzelung bleibt und Investitionen in die hiesige Infrastruktur und in unseren Werkplatz tätigt.


«Es braucht wirtschaftlich starke Unternehmen wie die BKW, die in der Energiewende vorangehen.»



Welchen Beitrag kann die BKW mit ihren Kompetenzfeldern in der Stadtentwicklung mit Blick auf zukunftsfähige Infrastrukturen, Urbanisierung und Digitalisierung leisten?
Städte sind ein wichtiger Lebensraum der Zukunft: Sie werden 80 Prozent der weltweiten Energie verbrauchen. Das heisst: Nur mit intelligenten, kreativen Konzepten können Städte diese Herausforderungen meistern und zu Smart Cities werden. Hier besteht für die BKW enormes Potenzial. Im Projekt «Smart Capital Region» wollen wir mit einer intelligenten Verknüpfung der Infrastrukturen in den Bereichen Transport, Energie und Kommunikation die Lebensqualität der Bevölkerung erhöhen und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch minimieren. Bei diesem Schlüsselprojekt der Hauptstadtregion Schweiz erwarte ich daher eine aktive Beteiligung der BKW.


Die bevorstehende Abschaltung des Kernkraftwerks Mühleberg am 20. Dezember 2019 und die anschliessende Stilllegung sind eine Pionierleistung in der Geschichte der BKW. Was bedeutet dies für den Kanton?
Die BKW ist die erste Betreiberin in der Schweiz, die ein Kernkraftwerk stilllegt. Ab Mitte der 2030er-Jahre soll das Areal industriell oder als Naturraum neu genutzt werden können. Für den Wirtschaftsstandort Kanton Bern ist dies eine interessante Perspektive. Für die BKW ist das Projekt eine grosse Herausforderung und es wird mit Argusaugen aus dem In- und Ausland beobachtet werden. Im Rahmen der Stilllegung sind viele kantonale Fachstellen in den Vollzug und die Überwachung des Rückbaus involviert. Ich hoffe, dass die konstruktive Zusammenarbeit mit der BKW bei diesem Grossprojekt so weitergeht.


Welchen Beitrag kann die BKW für eine nachhaltige Energiezukunft im Kanton leisten? Welches Potenzial sehen Sie generell in nachhaltigen Investitionen, wie sie die BKW u.a. mit dem neu lancierten Green Bond anbietet?
Der Kanton Bern, die Schweiz und Europa haben sich mit der Energiewende grosse Ziele gesetzt. Um diese zu erfüllen, braucht es wirtschaftlich erfolgreiche und starke Unternehmen, die vorangehen. Es freut mich, dass wir mit der BKW im Kanton Bern ein Unternehmen haben, das hier mithilft. Die Nachfrage nach grünen Investitionsmöglichkeiten steigt und wird weiter steigen.

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