Die BKW ist die erste Betreiberin in der Schweiz, die ein Kernkraftwerk stilllegt. Ab 2034 kann das Areal industriell oder als Naturraum neu genutzt werden. Bis zu diesem Punkt steht noch viel Arbeit an. Nach jahrelanger Planung bauen wir das KKM zurück – Schritt für Schritt, von innen nach aussen.

2015 bis Ende 2019: Leistungsbetrieb und Stilllegungsplanung

Das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) erzeugt weiterhin sicher und zuverlässig Strom. Seine jährliche Stromproduktion deckt rund 5 Prozent des Schweizer Strombedarfs. Am 20. Dezember 2019 stellen wir den Leistungsbetrieb endgültig ein. Damit zu diesem Zeitpunkt die rechtlichen Rah­menbedingungen gegeben sind, haben wir das Stilllegungsgesuch bereits am 18. Dezember 2015 beim Bund eingereicht.

 

Im Jahr 2020: Vorbereitung des Rückbaus

Sobald wir den Leistungsbetrieb endgültig ein­gestellt haben, beginnen wir unverzüglich mit der Vorbereitung des Rückbaus. Wir verlagern die Brennelemente vom Reaktor ins Brennelement­lagerbecken, wo sie einige Jahre abklingen werden. Gegen Ende 2020 betreiben wir das Brennelement­lagerbecken autonom: Dafür bauen wir dessen Kühlsystem in ein Sicherheitssystem um. Jetzt ist die Anlage bereit für den Nachbetrieb – wir nennen diesen Zeitpunkt «Endgültige Ausserbetriebnahme». Parallel dazu haben wir nach dem Abschalten damit begonnen, das Maschinenhaus leerzuräumen.

2021 bis 2024: Abtransport der Brennelemente

Nach und nach transportieren wir die Brenn­elemente vom Brennelementlagerbecken ins zentrale Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen, bis Ende 2024 keine Brennelemente mehr im KKM vorhanden sind. Zu diesem Zeitpunkt haben wir über 98 Pro­zent der Radioaktivität aus dem KKM entfernt. Gleichzeitig schaffen wir weiter Platz im Maschinenhaus und bereiten es für die Reinigung der radio­aktiv verunreinigten Mate­rialien vor. Wo bereits möglich, beginnen wir mit den ersten Demontagetätigkeiten.

2025 bis 2030: nuklearer Rückbau

Ab 2025 werden sämtliche noch verbliebenen An­lageteile, die mit Radioaktivität in Kontakt ge­kommen sind, demontiert. Die stark radio­aktiven Anlageteile werden noch im Reaktor­gebäude unter Wasser zerlegt und verpackt. Die meisten anderen Komponenten werden im Maschinenhaus sortiert, falls möglich gereinigt und anschlies­send ebenfalls verpackt. Gereinigte Materialien werden als normale Abfälle deponiert oder nach Möglichkeit wiederverwertet. Die radioaktiven Abfälle werden ins Zwilag gebracht.

Im Jahr 2031: Freigabe des Areal

Ende 2030 ist das KKM frei von radioaktivem Ma­terial. Jetzt wird das gesamte Areal kontrolliert. Wenn keine radiologischen Gefahrenquellen mehr festgestellt werden, geben die Behörden das Gelände für eine neue Nutzung frei.

2031 bis 2034: konventioneller Rückbau

Abhängig davon, ob das Areal künftig industriell oder naturnah genutzt wird, brechen wir in
dieser letzten Phase der Stilllegung nicht mehr benötigte Gebäude ab. Der Bauschutt wird ent­­weder auf Deponien entsorgt oder wieder­verwertet. Ab 2034 kann das Areal neu genutzt werden.

Überblick Stilllegung

Wir bauen auf unsere Kompetenzen

Der Rückbau eines Kernkraftwerks ist ein komplexes Grossprojekt. Dazu braucht es nebst dem bestehenden Personal Unterstützung durch Personen, die bereits Erfahrung im Rückbau haben. Vom gegenseitigen Wissensaustausch profitieren alle.


Den KKM-Mitarbeitenden bietet die Stilllegung spannende berufliche Perspektiven, die Eigeninitiative, Kreativität und Fachkompetenz fördern und fordern. Denn einerseits muss die Anlage so sicher weiterbetrieben werden wie bisher, andererseits sind schon heute innovative Lösungen für eine sichere und effiziente Stilllegung zu suchen. Aus diesem Grund stellt die BKW bereits heute Mitarbeitende ein, die Erfahrung im Rückbau von anderen Kernanlagen haben. Gemeinsam werden massgeschneiderte Lösungen für das KKM entwickelt.


Auch organisatorisch ist der Rückbau eine Herausforderung, denn die Anlage verändert sich ständig. Kein Tag wird dem anderen gleichen. Aus den im Leistungsbetrieb mehrheitlich wiederkehrenden Tätigkeiten werden in der Stilllegung mehrheitlich einmalige Arbeiten. Routinearbeiten wird es nur noch bedingt geben. Das KKM passt seine Organisation an die neuen Arbeitsbedingungen entsprechend an.

Martin Saxer, Leiter Kernkraftwerk Mühleberg

«Die Mitarbeitenden können die Art und Weise prägen, wie in der Schweiz ein Kernkraftwerk zurückgebaut wird. Wir nehmen diese Herausforderung an.»

 

Die neuen Kenntnisse werden später nicht nur in der Schweiz sehr gefragt sein. Aus der Stilllegung eröffnen sich interessante berufliche Perspektiven, auch wenn das definitive «Aus» manchem anfänglich unter die Haut gehen wird.