Die Stilllegung des KKM ist in jeder Hinsicht ein Grossprojekt: planerisch, technisch, aber auch finanziell. Die BKW kommt für die Kosten vollumfänglich auf. Dafür stellen wir laufend Mittel zurück. Einerseits bezahlen wir Jahr für Jahr Gelder in die vom Bund kontrollierten Fonds – den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds – ein. Andererseits bilden wir zusätzlich Rückstellungen für den Nachbetrieb und das Change Management. Die Finanzierung der Stilllegung und Entsorgung ist auf Kurs.

Abgebildet sind ab 2018 anfallende Kosten. Angaben sind auf 5 Mio. CHF gerundet. Basierend auf Kostenstudie 2016 und Jahresabschluss 2017.

Kosten für die Stilllegung

Die Kosten für die Stilllegung entstehen nicht erst während des Rückbaus, sondern fallen teilweise heute schon an. Zum Beispiel jene für die Planung der eigentlichen Stilllegung, die wir laufend bezahlen. Bis Ende 2017 haben wir bereits 40 Mio. Schweizer Franken für die Stilllegung und 9 Mio. Schweizer Franken für Change Management bezahlt. Ab der endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs ist die Mehrheit der Kosten durch jene Gelder gedeckt, welche wir Jahr für Jahr bis 2022 in den Stilllegungsfonds einzahlen. Darunter fallen unter anderem Kosten wie:

  • Transport und Entsorgung der bei der Stilllegung anfallenden radioaktiven Abfälle
  • Rückbau aller technischen Einrichtungen und Gebäude
  • Deponie der konventionellen Abfälle
  • Reinigung, Demontage und Zerkleinerung von radioaktiv verunreinigten Anlageteilen
  • Strahlen- und Arbeitsschutzmassnahmen

Weitere Kosten fallen für den Nachbetrieb an, also für die Betriebskosten in der Zeit ab der endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs bis zur Brennelementfreiheit. Diese Kosten bezahlen wir direkt – sie werden also nicht über den Stilllegungsfonds finanziert. Beim Übergang vom Betrieb zur Stilllegung verändern sich auch die Organisationsstruktur und die Tätigkeiten auf der Anlage. Für das damit verbundene Change Management haben wir weitere Rückstellungen gebildet und investieren schon heute in die Aus- und Weiterbildung des Kraftwerkspersonals.

Die benötigten Mittel für die Stilllegung – also für Rückbau, Nachbetrieb und Change Management – sind heute schon zum grössten Teil zurückgestellt.

 

Angaben sind auf 5 Mio. Franken gerundet. Basierend auf der
Kostenstudie 2011 und dem Jahresabschluss 2014. Die
Kostenstudie 2016 liegt vor und durchläuft zurzeit die
Vernehmlassung. Die Verfügung mit den provisorischen
Beiträgen für den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds
liegt Anfang 2017 vor, jene mit den definitiven Beiträgen
Mitte 2018.

Kosten für die Entsorgung

Die Entsorgungskosten entstehen zwar hauptsächlich nach der endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs, aber auch hier fällt ein Teil bereits heute an. Zum Beispiel für den Abtransport von ausgedienten Brennelementen und deren Zwischenlagerung oder für die Standortsuche für ein geologisches Tiefenlager. Bis Ende 2017 haben wir bereits 760 Mio. Schweizer Franken für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle bezahlt. Nach der endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs sind die Entsorgungskosten durch die Gelder, welche wir regelmässig in den Entsorgungsfonds einzahlen, gedeckt. Die Entsorgung umfasst unter anderem Kosten für:

 

  • Transporte und Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb
  • Zwischenlagerung
  • Forschung und Planung für ein geologisches Tiefenlager als auch dessen Bau und Betrieb
  • Beobachtungsphase von 50 Jahren für ein geologisches Tiefenlager

Wir zahlen bis Ende 2022 in den Entsorgungsfonds ein. Der grosse Teil der Entsorgungskosten fällt erst in Zukunft an, wenn der Bau eines geologischen Tiefenlagers beginnt, also frühestens ab 2040. Anders als beim Stilllegungsfonds fallen beim Entsorgungsfonds noch über Jahrzehnte Zinserträge auf dem Kapital an, auch nach Einstellung des Leistungsbetriebs. Wegen des Zinseffekts ist im Entsorgungsfonds ein kleinerer Anteil der zukünftigen Kosten zurückgestellt als im Stilllegungsfonds.

Was Sie schon immer über die Finanzierung wissen wollten

Wer kommt eigentlich für die Kosten auf?

Die Kosten werden nach dem Verursacherprinzip durch die BKW getragen. Über eine Betriebsdauer von 50 Jahren gemittelt, betragen diese Kosten rund 1 Rappen pro Kilowattstunde, die im KKM produziert wird.

 

Ist die Finanzierung sichergestellt?

Ja, das ist sie. Die BKW begleicht bis zur Einstellung des Leistungsbetriebs die Kosten fortlaufend und bildet für die Zeit danach die notwendigen Rückstellungen.Zur zusätzlichen Sicherheit bezahlen wir Gelder für Rückbau und Entsorgung analog zu einer Pensionskasse in die vom Bund kontrollierten Fonds, den Stilllegungs- und den Entsorgungsfonds, ein. Mit den Fonds hat die Schweiz ein international beachtetes System für die Finanzierung von Stilllegung und Entsorgung von Kernkraftwerken und deren Abfällen umgesetzt. 

 

Die Fonds sind doch noch gar nicht voll, wenn die BKW das KKM spätestens Ende 2019 abstellt, oder doch? 

Jahr für Jahr werden die Sollbestände in den Fonds überprüft. Ende 2017 haben wir diese erreicht. Für die Entsorgung fällt ein grosser Teil der Kosten erst in Zukunft an, wenn die geologischen Tiefenlager gebaut werden, also ab ca. 2040. Bei der Berechnung der Fondsbeiträge werden auch die zu erwartenden Fondsrenditen berücksichtigt. Deshalb genügen die heutigen Fondsbestände, die weiteren Fondseinzahlungen bis 2022 sowie Zinserträge auf dem Fondskapital, um die erwarteten Kosten zu decken.

 

Woher kennt die BKW die Kosten, die erst in ferner Zukunft anfallen?

Die Kosten werden unter Aufsicht des Bundes alle fünf Jahre im Rahmen von Kostenstudien nach dem aktuellen Stand von Erfahrungen im Ausland sowie von Wissenschaft und Technik neu geschätzt und durch unabhängige Experten geprüft. Diese Kostenstudien bilden die Grundlage für die Beiträge, welche die Betreiber in die Fonds einzahlen müssen. Zusätzlich werden die Rückstellungen für Nachbetrieb und Change Management regelmässig geprüft, sodass alle erkennbaren zukünftigen Kosten gedeckt werden können.

 

Was ist, wenn die Gelder in den Fonds zu riskant angelegt werden? 

Der Stilllegungs- und der Entsorgungsfonds werden vom Bund kontrolliert. Eine vom Bundesrat eingesetzte Kommission legt den Anlagerahmen fest und erlässt Richtlinien. Die Anlagetätigkeit der Fonds wird laufend durch den Anlageausschuss und externe Gutachter geprüft.

 

Was passiert, wenn die Betreiber der Kernkraftwerke zahlungsunfähig sind?

Die  Betreiber der Kernkraftwerke nehmen ihre finanzielle Verantwortung für Stilllegung und Entsorgung wahr, und sie tragen auch das Risiko dafür. Für den Fall, dass ein Betreiber zahlungsunfähig werden sollte, ist ein mehrstufiges System vorgesehen. Alle Betreiber in der Schweiz haben eine gesetzliche, anteilige Nachschusspflicht.

 

Weitere Informationen: www.stenfo.ch

Die neue Kostenstudie 2016 für die Stilllegung und Entsorgung liegt vor

Die Schätzung der Kosten für die Stilllegung und Entsorgung werden alle fünf Jahre für alle Schweizer Kernkraftwerke umfassend überprüft und aktualisiert. In diesem Rahmen hat die BKW eine neue Kostenschätzung für das Kernkraftwerk Mühleberg für Nachbetrieb, Stilllegung der Anlage sowie Entsorgung der radioaktiven Abfälle erarbeitet. Die neue Kostenstudie 2016 wird vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und unabhängigen Kostenexperten geprüft. Die vom Bundesrat eingesetzte Verwaltungskommission unterbreitet die Ergebnisse dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Dieses legt voraussichtlich Mitte 2018 die Höhe der Kosten fest. Die provisorische Verfügung der jährlichen Beiträge liegt voraussichtlich Anfang 2017, die definitive Verfügung Mitte 2018 vor.

  

Weitere Informationen: Medienmitteilung vom 15.12.2016