Bei jedem Rückbau – ob bei einem Wohnblock, einer Fabrik oder einem Kernkraftwerk – fällt viel Material an, das wiederverwertet werden kann oder entsorgt werden muss. Der Rückbau des KKM erzeugt mehrheitlich normalen Bauschutt. Nur ein kleiner Teil der Materialien ist während des Betriebs mit radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen. Das Gros dieser Materialien lässt sich zudem reinigen und danach wiederverwerten oder auf einer normalen Deponie ablagern.

Materialien im Rückbau

1. Mengen

Die Gesamtmasse des KKM beträgt rund 200 000 Tonnen. Etwa acht Prozent davon sind radioaktiv verunreinigt – der grösste Teil aber nur gering. Diese Materialien lassen sich nach einer speziellen Reinigung als normaler Bauschutt deponieren oder wiederverwerten. Übrig bleiben knapp zwei Prozent radioaktive Abfälle, die speziell entsorgt werden müssen.

2. Reinigung und Freimessung

Unser Hauptziel ist es, die radioaktiven Abfälle auf ein Minimum zu reduzieren. Daher reinigen wir so viel Material wie möglich. Teilweise genügt einfaches Abwischen. Andere Teile werden mit Wasser oder Sand hochdruckgereinigt. Durch sogenanntes Freimessen wird überprüft, ob die Materialien nicht mehr radioaktiv verunreinigt sind und normal deponiert oder wiederverwertet werden können. Was nicht gereinigt werden kann, wird für die spätere Tiefenlagerung verpackt.

3. Abklinglagerung

Lässt man gewisse schwachaktive Materialien einige Jahre abklingen, sinkt ihre Radioaktivität ohne spezielle Behandlung so tief ab, dass sie nicht mehr als radioaktiv gelten. Dies ist laut Gesetz für 30 Jahre vorgesehen. Abgeklungene Materialien können anschliessend als normale Abfälle deponiert oder wiederverwertet werden. Durch die Abklinglagerung wird die Menge der radioaktiven Abfälle stark reduziert.

4. Schwach- und mittelaktive Abfälle

Dazu gehören zum Beispiel Harze aus Reinigungsanlagen der Abwasseraufbereitung, kontaminierte Arbeitskleider des Kraftwerkspersonals oder zurückgebaute Gebäudeteile oder Leitungen. Sofern diese nicht gereinigt werden können, müssen sie für die Tiefanlagerung zerlegt, verpresst oder eingeschmolzen und verpackt werden. Anschliessend werden sie – bis zur definitiven Einlagerung in einem geologischen Tiefenlager – ins zentrale Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen gebracht.

5. Brennelemente – hochaktive Abfälle

Die ausgedienten Brennelemente klingen zuerst mehrere Jahre im Brennelementlagerbecken des KKM ab, bevor sie ins Zwilch gebracht werden. Später kommen sie – wie die schwach- und mittelaktiven Abfälle – in ein geologisches Tiefenlager. Bis 2024 sind alle Brennelemente aus dem KKM abtransportiert.

6. Zentrales Zwischenlager in Würenlingen

Im Zwilag werden die radioaktiven Abfälles so lange aufbewahrt, bis ein geologisches Tiefenlager gebaut und in Betrieb ist. Dafür bleibt reichlich Zeit. Das Zwilag ist nämlich gross genug, um sämtliche Abfälle aus Betrieb und Stilllegung aller fünf Schweizer Kernkraftwerke aufzunehmen (ausgehend von einer Betriebsdauer von 60 Jahren). 

7. Geologisches Tiefenlager, Nagra

Ein geologisches Tiefenlager schützt Mensch und Umwelt langfristig vor radioaktiven Abfällen. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra), gegründet von den Betreibern der Kernkraftwerke und vom Bund, hat die Aufgabe, einen sicheren Standort für ein Tiefendlager zu suchen, dieses zu bauen und zu betreiben. Die Suche nach einem sicheren Standort ist ein langer Prozess und läuft in Etappen. Anfang 2015 hat die Nagra ihre Vorschläge eingegrenzt auf je zwei mögliche Standorte für ein hochaktives und ein schwach- und mittelaktives Lager. Diese werden nun geologisch vertieft untersucht.

Sichere Entsorgung der radioaktiven Abfälle

Bereits während des Betriebs eines Kernkraftwerks – aber insbesondere auch bei dessen Rückbau – entstehen radioaktive Abfälle. Diese müssen sachgerecht entsorgt werden. Das Schweizer Entsorgungskonzept sieht dafür die Lagerung in tiefen Gesteinsschichten vor. Bis über einen Standort entschieden und das Tiefenlager betriebsbereit ist, werden die Abfälle im zentralen Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen zwischengelagert. Ab 2030 befinden sich auf dem Gelände des KKM keine radioaktiven Materialien mehr.

 

Verpackung der radioaktiven Abfälle

Die Brennelemente, welche für die Energieproduktion benötigt werden, tauschen wir im KKM alle sechs bis sieben Jahre aus. Zuerst bleiben die ausgedienten Brennelemente für einige Jahre im Brennelementlagerbecken des KKM, bis ihre Radioaktivität stark abgeklungen ist und sie weniger Wärme abgeben. Danach werden sie noch im Brennelementlagerbecken in Transportbehälter verpackt, ins Zwilag transportiert und dort in Zwischenlagerbehälter umgeladen. Ausgediente Brennelemente gelten als hochaktive Abfälle.

Schwach- und mittelaktive Abfälle – zum Beispiel Harze aus Reinigungsanlagen der Abwasseraufbereitung oder kontaminierte Arbeitskleider des Kraftwerkspersonals – werden tiefenlagergerecht aufbereitet. Flüssige Abfälle werden verfestigt, komprimierbare Abfälle verpresst und brennbare Abfälle in der Plasmaanlage des Zwilag verbrannt. Die dabei entstehenden Abgase werden gereinigt und die Rückstände als radioaktiver Abfall entsorgt. Die Abfälle werden entweder im KKM oder im Zwilag für die Tiefenlagerung verpackt – genau gleich wie im laufenden Betrieb. Die Entsorgungsbehälter schliessen die Abfallprodukte dicht ein, lassen sich einfach und sicher handhaben und sind robust gebaut.

Zentrales Zwischenlager in Würenlingen


Radioaktive Abfälle aus den Kernkraftwerken werden im Zwilag zwischengelagert, bis ein geo­logisches Tiefenlager gebaut und in Betrieb ist. Die Kapazität des Zwilag reicht für sämtliche Ab­fälle aus dem Betrieb und der Stilllegung aller fünf Schweizer Kernkraftwerke aus – ausgehend von 60 Betriebsjahren.

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Geologisches Tiefenlager

Das Schweizer Entsorgungskonzept sieht zwei geologische Tiefenlager vor: ein Lager für hochaktive Abfälle und ein Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle. Als Alternative bietet sich auch die Möglichkeit, die beiden Tiefenlager in einem Kombilager zusammenzuführen. Die Lager werden in mehreren hundert Metern Tiefe in einer Gesteinsschicht aus Opalinuston liegen. Sie bestehen je nach Art der Abfälle aus Lagerstollen oder Lagerkavernen, einem Pilotlager für die Überwachung eines repräsentativen Teils der Abfälle, einem Testbereich, Infrastrukturanlagen und Zugangstunnel. Die geologischen Tiefenlager stellen den langfristigen Schutz von Mensch und Umwelt sicher.

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