Die Schlagzeilen sagen nur die halbe Wahrheit

Tiefer Wasserstand beim Wasserkraftwerk Gohlhaus: Stefan Grossenbacher, BKW Leiter Kraftwerksgruppe Oberland, gibt gegenüber Telebärn Auskunft.

Das trockene Wetter hat Einfluss auf Wasserkraftwerke – so auch bei der BKW. Vor allem bei Laufkraftwerken im Flachland spürt die BKW Produktionseinbussen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Tobias Habegger, 20. August 2018

«Jetzt stehen die Wasserkraftwerke still», «Wasserkraftwerke leiden unter Trockenheit» oder «Weniger Regen heisst auch weniger Strom». So oder ähnlich tönen die Schlagzeilen. Das Thema ist bei den Journalistinnen und Journalisten beliebt.

Auch BKW-Experten werden befragt: So stand Stefan Grossenbacher, Leiter Kraftwerksgruppe Oberland am Mittwoch, 15. August, auf Telebärn für einen Bericht bei unserem Kleinwasserkraftwerk Gohlhaus Red und Antwort.

Ja, aber…

Die Schlagzeilen stimmen. Die Produktion im Wasserkraftwerk Gohlhaus beträgt aktuell wirklich nur ein Viertel der möglichen Kapazität. Und auch in Hagneck spüren wir die fehlenden Niederschläge, so dass die Produktionsleistung im Juli 2018 zehn Prozent unter dem Durchschnitt liegt.

Doch diese Zahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Fürs Gesamtbild ist ein Blick in die Berge nötig.

In den Alpen laufen die Turbinen

Anders als bei den Laufkraftwerken an Flüssen sieht es nämlich bei Speicherkraftwerken aus: Die Stauseen in den Alpen sind sehr gut gefüllt, weil der vergangene Winter extrem schneereich war. Und auch das Gletscherwasser fliesst in Strömen, weil die Gletscher im Hitzesommer 2018 noch stärker schmelzen als bisher. Das hat langfristig viele negative Effekte, wie in diesem Video-Interview zu erfahren ist. Doch kurzfristig führen die erwähnten Fakten dazu, dass unsere Speicherkraftwerke in den Alpen und die Kraftwerke im Gletschereinzugsgebiet überdurchschnittliche Produktionszahlen aufweisen.

Die Wahrheit zeigt der Herbst

Bisher schaut die BKW auf ein gutes Wasserkraftjahr zurück. Insgesamt haben wir in unseren Wasserkraftwerken in den ersten sieben Monaten fünf Prozent mehr produziert als im langjährigen Durchschnitt. Sollte die Trockenheit allerdings länger andauern, gehen wir davon aus, dass auch die Produktion in den Kraftwerken im Oberland in den Monaten August und September unter den langjährigen Schnitt der Vergleichsmonate fallen wird.

Das Wasserkraftwerk Spiez hat diesen Sommer so viel Strom produziert wie immer.
Die Stauseen im Berner Oberland (im Bild der Grimselsee) sind gut gefüllt, weil es im Winter viel geschneit hat.
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