Die Stilllegung eines Kernkraftwerks ist ein komplexes Grossprojekt. Wir führen dieses ebenso sicher und zuverlässig durch, wie wir das KKM 47 Jahre lang betrieben haben. Dabei setzen wir auf das Personal aus dem KKM sowie Personen, die bereits Erfahrung im Rückbau haben. Unterstützt werden sie von externen Experten, die hoch spezialisierte Arbeiten durchführen.

Niemand kennt das KKM so gut wie die Mitarbeitenden, die teilweise mehrere Jahrzehnte in der Anlage gearbeitet haben. Ihre Kenntnisse sind für den Rückbau von grosser Bedeutung, und so führen wir diesen hauptsächlich mit eigenen Mitarbeitenden durch. Aufgaben wie das Öffnen des Reaktordruckbehälters mit der anschliessenden Verschiebung der Brennelemente aus dem Reaktor ins Lagerbecken haben sie jedes Jahr während der Revision durchgeführt. Hier kann die Erfahrung aus dem Leistungsbetrieb direkt für die Stilllegung angewendet werden. Es sind aber auch neue Fähigkeiten gefragt. Aus den bisher oftmals wiederkehrenden Tätigkeiten werden bei der Stilllegung mehrheitlich einmalige Arbeiten. Auf diesen Wandel haben wir uns rechtzeitig eingestellt und früh vorbereitet. Einerseits haben wir die Organisation an die neuen Aufgaben und Arbeitsbedingungen angepasst, andererseits haben sich die Mitarbeitenden gezielt weitergebildet – beispielsweise im Projektmanagement.

Erfahrungen aus dem Ausland

In der Schweiz sind wir die Ersten, die einen Leistungsreaktor zurückbauen, doch weltweit gibt es über 150 Kernkraftwerke, die momentan zurückgebaut werden oder bereits stillgelegt sind. Wir kennen somit technische und planerische Herausforderungen und knüpfen an die Erfahrungen aus dem Ausland an: Wir pflegen enge Beziehungen zu anderen Rückbauprojekten, tauschen Erfahrungswerte und Know-how international aus und sind somit auf dem Laufenden über die neuesten Fortschritte und Erkenntnisse auf dem Gebiet des nuklearen Rückbaus. Gleichzeitig sind an der Stilllegung des KKM auch Mitarbeitende beteiligt, die bereits Erfahrung im Rückbau von Kernanlagen haben.

Gewisse Rückbauarbeiten, zum Beispiel der Ausbau der Kerneinbauten, also derjenigen Komponenten, die sich während des Leistungsbetriebs im Innern des Reaktors befanden, sind hoch spezialisiert. Dafür lohnt es sich nicht, spezifisches Know-how aufzubauen. Stattdessen setzen wir für solche Arbeiten auf externe Experten.

Die Umsetzung gelingt

Seit Anfang 2020 läuft die Stilllegung und dabei zeigt sich: Der frühe Stilllegungsentscheid und die umfassende Vorbereitung auf die Stilllegung zahlen sich aus. Die KKM-Mitarbeitenden sind bereit für die neuen Aufgaben. Im Rückbau setzen sie das bestehende Wissen aus dem Leistungsbetrieb und die neu erworbenen Kenntnisse ein. Zwischen den oftmals langjährigen KKM-Mitarbeitenden und den Kolleginnen und Kollegen mit Rückbauerfahrung gibt es einen ständigen Wissensaustausch, von dem alle profitieren. Gleichzeitig lernen alle Beteiligten von Tag zu Tag dazu und können so Prozesse und Abläufe, wo nötig, anpassen und optimieren. Die Erfahrungen, welche die Mitarbeitenden nun beim Rückbau des KKM sammeln, werden später nicht nur in der Schweiz sehr gefragt sein. So eröffnen sich aus der Stilllegung interessante berufliche Perspektiven.

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