Das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) produziert seit 1972 sicher und zuverlässig Strom. Die jährliche Produktion entspricht rund 5 % des gesamten Schweizer Strombedarfs. Die BKW wird das KKM bis 2019 betreiben und danach ausser Betrieb nehmen.

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Sichere und zuverlässige Stromproduktion

Die Sicherheit des KKM, wie aller anderen Kernkraftanlagen in der Schweiz, wird vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) überwacht und bewertet. Das ENSI bescheinigte dem KKM in den letzten Jahren immer eine gute Betriebssicherheit. Die BKW wird auch für die noch anstehenden Betriebsjahre bis 2019 durch Nachrüstungen, präventive Instandhaltung und regelmässige Überprüfungen der Systeme den sicheren und zuverlässigen Betrieb der Anlage gewährleisten.

Im Jahr 2016 produzierte das Kernkraftwerk Mühleberg 2'964 Mio. kWh elektrische Energie. Dank den kontinuierlichen Massnahmen in die Erhöhung der Sicherheit und Verfügbarkeit der Anlage, hat das Kernkraftwerk Mühleberg im Betriebsjahr 2016 während 8‘162 Stunden oder an 340 Tagen Elektrizität ins Stromnetz eingespiesen. Seit Anfang der 1970er Jahre produzierte das KKM insgesamt über 120 Mrd. kWh Strom, was den heutigen Konsum einer Stadt wie Bern für mehr als hundert Jahre decken würde.

Das KKM leistet einen bedeutenden Beitrag zur sicheren Versorgung des Grossraums Bern und in der Nordwestschweiz. Die Versorgungssicherheit wird auch nach der Ausserbetriebnahme gewährleistet sein. Die BKW kann ihren Grundversorgungsauftrag für ihre Kunden sowie die Versorgung ihrer Vertriebspartner mit BKW Strom weiterhin erfüllen.

 

 

Kennzahlen Kernkraftwerk Mühleberg

Inbetriebnahme1972
Ausserbetriebnahme2019
Installierte Leistung (netto)373 MW
Netto Produktion 20162'964 GWh
Betriebszeit 20168'162 Stunden
Reaktor-TypSiedewasserreaktor BWR 4
Hersteller ReaktorGeneral Electric
KühlungAarewasser

 

 

Ein nachhaltiges Kernkraftwerk, auch über 2019 hinaus

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Nachrüstungen

Sicherheit hat auch in den letzten Betriebsjahren des KKM oberste Priorität.  Die wichtigsten Massnahmen seit 2015 sind:

  1. Diversifizierung der Kühlwasserversorgung (2015)
    Eine neue Anbindung des Kühlsystems an das oberhalb vom KKM gelegene Hochreservoir Runtigenrain stellt die von der Aare unabhängige Kühlwasserversorgung sicher. Zudem wird eine zusätzliche Wasserzufuhr für die Einspeisung in den Reaktordruckbehälter realisiert. 
  2. Zusätzliche Brennelementlagerbeckenkühlung (2016) 
    Eintauchkühler bieten eine weitere Kühlmöglichkeit für das Becken, in dem die ausgedienten Brennelemente abklingen. Ende 2020 wird die Notfallkühlung in ein Sicherheitssystem umgebaut, so dass das Brennelementbecken als Teil des Notstandsystems SUSAN autonom betrieben werden kann.
  3. Erhöhung der Sicherheit gegen Brand und Überflutung im Reaktorgebäude auf der -11m-Ebene (2015-2016)
    Anlagemodifikationen schützen die Systeme im Reaktorgebäude besser vor Brand und interner Überflutung. Zum Beispiel wurden automatische Löschvorrichtungen (Sprühnebelanlagen) eingebaut und die Leittechnik bezüglich der Detektion von Rohrleitungsbrüchen angepasst.
  4. Instandhaltungskonzept zum Kernmantel (2015-2018)
    Qualifizierte Prüfungen und Integritätsbewertungen des Kernmantels weisen nach, dass die vom ENSI geforderten Kriterien eingehalten werden. Die Edelmetalleinspeisung und Wasserstoffdosierung zum Schutz der Reaktoreinbauten werden fortgesetzt.
  5. Verstärkung des Reaktorkrans (2015)
    Die Verstärkung des Krans im Reaktorgebäude verhindert einen postulierten Absturz eines Brennelement-Behälters bei dessen Transport im Reaktorgebäude und dadurch allfällig entstehende Folgeschäden an Anlagekomponenten.
  6. Zusätzliche Niederdruckeinspeisung in den Reaktordruckbehälter (2016)
    Die zusätzliche erdbeben- und überflutungssichere Niederdruckeinspeisung in den Reaktordruckbehälter erhöht die Robustheit der Anlage, indem diese Brand- und Überflutungsszenarien im Reaktorgebäude abdecken.

Kernmantel

Was ist ein Kernmantel?

Der Kernmantel, umhüllt von zahlreichen Sicherheitsbarrieren, befindet sich im Innern des Reaktordruckbehälters. Er ist ein oben und unten offener Zylinder aus sieben zusammengeschweissten Stahlringen. Vier dieser Ringe bestehen aus jeweils zwei senkrecht verschweissten Halbschalen.

Der Kernmantel hat die Aufgabe, das Wasser im Reaktor so zu leiten, dass es von unten durch die Brennelemente nach oben fliesst. Er stabilisiert zudem die Kerneinbauten und nimmt in bestimmten Störfällen eine gewisse Rückhaltefunktion des Kühlwassers wahr. 

Hier der Film zum Kernmantel

Anrisse im Kernmantel mit Längs- und Querverlauf

Der Kernmantel des KKM weist Anrisse im Bereich einzelner horizontaler Schweissnähte auf. Diese verlaufen entweder längs oder quer zur Schweissnaht. Anrisse mit Längsverlauf wurden 1990 festgestellt, Anrisse mit Querverlauf im Jahr 2014. Trotz dieser Anrisse ist die Belastbarkeit des Kernmantels bei schwersten Störfällen gegeben. 

Symbolische Darstellung der Anrissverläufe Blau: Anriss mit Längsverlauf Grün: Anriss mit Querverlauf
Symbolische Darstellung der Anrissverläufe
Blau: Anriss mit Längsverlauf
Grün: Anriss mit Querverlauf

Massnahmen gegen das Wachstum von Anrissen

Seit 1990 werden die Schweissnähte regelmässig visuell und mit Ultraschall untersucht. Zudem wurden 1996 vier Zuganker eingebaut. Die Zuganker reduzieren die Belastung auf die Schweissnähte und stabilisieren den Kernmantel zusätzlich, in dem sie ihn an der Druckbehälterwand abstützen.

Verursacht werden die Anrisse durch Spannungsrisskorrosion - ein Zusammenspiel von Eigenspannungen, Werkstoff und Wasserchemie. Weltweit gibt es knapp 50 weitere Kernkraftwerke, deren Kernmäntel Anrisse aufgrund von Spannungsrisskorrosion aufweisen.

Seit 2000 wird durch Beimischung von Edelmetallen und Wasserstoff die Chemie des Reaktorwassers geändert, um die Korrosion zu reduzieren. 

Die Sicherheit des KKM ist gegeben

Die Sicherheit des Kernmantels wird bis zur endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs Ende 2019 jährlich bewertet. Die Resultate werden dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) jeweils vor dem Wiederanfahren nach der Jahresrevision vorgelegt.

KKM muss zwei Forderungen zum Kernmantel erfüllen

In der Verfügung vom 3. Dezember 2015 im Hinblick auf den Betrieb des KKM bis Ende 2019 hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) zwei Forderungen gestellt:

  • Forderung 1: Am Kernmantel des KKM sind in jeder Jahresrevision zerstörungsfreie Prüfungen mit qualifizierten Prüfsystemen durchzuführen. 
  • Forderung 2: Die Befunde der Kernmantelprüfungen sind aufgrund des Standes von Wissenschaft und Technik sowie der internationalen Betriebserfahrung in jeder Jahresrevision zu bewerten. Die Freigabe zum Wiederanfahren der Anlage nach der Jahresrevision wird vom ENSI erteilt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: 
    - Kl,max < 75 MPa m0.5 unabhängig von der Orientierung und Risstiefe 
    - lquer < 320 mm für wanddurchdringende Querrisse 

Wie sind diese Kriterien der Forderung 2 zu verstehen?

Megapascal-Wurzelmeter (MPa m0.5) ist eine rechnerische Grösse in der Bruchmechanik und bezeichnet den Spannungsintensitätsfaktor. Er charakterisiert die Belastung an der Rissspitze und hängt von der äusseren Belastung, den elastischen Eigenschaften des Materials und der Geometrie eines Risses ab. Der Spannungsintensitätsfaktor ("Belastung") wird üblicherweise mit der Bruchzähigkeit ("Belastbarkeit") des Materials verglichen. Gemäss der Forderung 2 darf die berechnete Spannungsintensität an den Anrissen den Wert 75 MPa m0.5 nicht überschreiten. Im Falle des KKM-Kernmantels liegt die Bruchzähigkeit (Belastbarkeit) (je nach Position der Naht) bei mindestens 123 MPa m0.5. Der Kernmantel verfügt gegenüber dem Kriterium der maximalen Belastung von 75 MPa m0.5 somit über erhebliche Sicherheitsmargen.

Für wanddurchdringende Querrisse gilt zusätzlich das zweite Kriterium: Sie müssen kleiner als 320 mm sein. Würden grössere Längen festgestellt werden, müsste man von einem Schädigungsmechanismus mit grossen Risswachstumsgeschwindigkeiten ausgehen, der sich von der Spannungsrisskorrosion unterscheidet. 

2017: Kernmantel erfüllt alle Vorgaben des ENSI

Das KKM hat in der Jahresrevision 2017 die geforderten Untersuchungen am Kernmantel durchgeführt und die Befunde bewertet. Die Resultate zeigen: Die vom ENSI gestellten Kriterien zum Wiederanfahren werden mit grossen Sicherheitsmargen erfüllt. Die Stabilität des Kernmantels ist somit gewährleistet.

Wo befinden sich die Anrisse?

Die Anrisse befinden sich alle im Bereich horizontaler Schweissnähte. Die vertikalen Schweissnähte weisen keine Anrisse auf.

Anrisse mit Längsverlauf

Die Anrisse mit Längsverlauf befinden sich an vier horizontalen Schweissnähten (H3, H4, H5 und H7a). Ihre Länge ist für den Nachweis der Stabilität unerheblich, da bei der bruchmechanischen Bewertung davon ausgegangen wird, dass die Anrisse rund um den Kernmantel verlaufen (siehe Abbildung unten).

Schematische Darstellung des 360°-Rissmodells zur bruchmechanischen Bewertung der Anrisse mit Längsverlauf im Vergleich zu den realen Anrissen.
Schematische Darstellung des 360°-Rissmodells zur bruchmechanischen Bewertung der Anrisse mit Längsverlauf im Vergleich zu den realen Anrissen.

Anrisse mit Querverlauf

Diese Anrisse befinden sich an der horizontalen Schweissnaht H4.

Resultate der Messungen in der Jahresrevision 2017

Das KKM hat in der Jahresrevision 2017 die geforderten Untersuchungen am Kernmantel durchgeführt und die Befunde bewertet. Es wurden keine neuen Anrisse gefunden. Die vom ENSI gestellten Kriterien zum Wiederanfahren werden mit grossen Sicherheitsmargen erfüllt. Die Stabilität des Kernmantels ist somit gewährleistet.

Anrisse mit Längsverlauf

Die Ultraschallmessungen 2017 zeigen, dass sich die Länge der Anrisse an der Schweissnaht H3 und H5 im Rahmen der Messgenauigkeit nicht verändert hat. Bei der am meisten betroffenen Schweissnaht H4 haben die Längen vereinzelt und sehr moderat zugenommen. Dennoch beträgt die Länge aller Anrisse zusammengerechnet weiterhin rund 26% des 9.5 m langen Kernmantelumfangs. 

Die Tiefenausdehnung aller Anrisse mit Längsverlauf hat sich im Rahmen der Messgenauigkeit seit 2011 nicht verändert.

Ultraschallmessung an der Schweissnaht H3. Vergleich der 2011, 2013, 2015 und 2017 gemessenen Risslänge- und Tiefe.

Anrisse mit Querverlauf

Die Ultraschallmessungen 2017 zeigen, dass sich die Längen und Tiefenausdehnung der 10 Anrisse mit Querverlauf im Rahmen der Messgenauigkeit nicht verändert haben. Der Längste der 10 Anrisse weist weiterhin eine Länge von 99 mm auf und ist wie gehabt über eine Länge von 36 mm wanddurchdringend.

Die Tabellen zeigen die Messwerte der 2017 durchgeführten Ultraschalluntersuchungen.

 

 

Tabelle Anrisse mit Längsverlauf (2017)

Schweissnaht

Position [°]

Risslänge [mm]

Max. Risstiefe [mm]

H3

308, unten

      678

19.9

H4

49, oben

      149

10.5

H4

54, oben

         31

6.2

H4

55, oben

         56

6.5

H4

93, oben

      403

9.1

H4

114, oben

      281

11.5

H4

136, unten

         62

8.4

H4

173, oben

      310

10.3

H4

190, oben

         19

9.3

H4

199, oben

      436

13.5

H4

279, oben

         25

7.6

H4

283, oben

      181

11.4

H4

290, unten

      174

10.0

H4

354, oben

      347

12.3

H5

239, oben

         95

9.2

H5

329, oben

         93

8.5

H7a

252.5, unten

         43

2.1

H7a

257.2, unten

         43

4.8

H7a

313.2, unten

         12

9.6


Tabelle Anrisse mit Querverlauf (2017)

Schweissnaht

Position [°]

Risslänge [mm]

Max. Risstiefe [mm]

H4

6, oben

           6

9.7

H4

106, unten

         99

31.5

H4

156, oben

         18

18.8

H4

158, oben

         21

14.0

H4

180, oben

         48

31.1

H4

191, oben

         75

14.4

H4

191, unten

           6

11.1

H4

193, oben

         45

14.0

H4

194, unten

         30

17.2

H4

200, oben

         21

12.1

Überwachung und Messung von Radioaktivität

Drei verschiedene Messnetzwerke messen die Strahlung in der Schweiz rund um die Uhr – auch in der Umgebung der Kernkraftwerke. Diese geben sehr geringe Strahlung an die Umwelt ab. Sie ist viel weniger als die natürliche Strahlung, die von Natur aus überall vorhanden ist. 

Unterschiedlich starke Strahlung in der Schweiz

Eine Person in der Schweiz ist durchschnittlich einer jährlichen Strahlendosis von 5.5 mSv ausgesetzt. Die täglichen Durchschnittswerte variieren in der Schweiz je nach Standort. Die höchsten natürlichen Radioaktivitätswerte in der Schweiz werden am Piz Giuv nördlich von Sedrun gemessen.

Ständige Überwachung der Radioaktivität

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Nationale Alarmzentrale (NAZ) sowie das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) überwachen die Radioaktivität in der Schweiz. Überwacht werden die Atmosphäre, Niederschläge, das Wasser, Erde, Gras, Milch, weitere Lebensmittel (z. B. auch Wild, Pilze oder Getreide). Ferner werden Ortsdosen in der Umgebung von Kernanlagen und anderen potentiellen Emissionsquellen untersucht.

Die aktuellen Werte und der Strahlenschutzbericht 2016 des ENSI sind im Internet publiziert.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit, Jahresbericht Umweltradioaktivität und Strahlendosen in der Schweiz 2012

Die Warnnetze in der Schweiz

Damit die zuständigen Einsatzorgane im Falle einer Gefährdung durch Radioaktivität rasch reagieren können, bestehen automatische Warnsysteme:

NADAM

Eines davon ist NADAM (58 Stationen). Es wird von der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) betrieben. Im 10-Minuten-Intervall werden Ortsdosisleistungen aus der ganzen Schweiz gemessen und zusammen mit der lokalen Niederschlagsmenge an die NAZ übermittelt. Bei Überschreiten der Schwelle von 1 Mikrosievert pro Stunde wird Alarm ausgelöst.

MADUK

Die Ortsdosen in der Nahumgebung der Schweizer Kernkraftwerke, je 12 bis 17 Stationen pro Kraftwerk, wird mit MADUK überwacht. Das ENSI betreibt dieses Netz. An insgesamt 57 Stellen im Umkreis von jeweils rund 5 Kilometer um die Kernkraftwerke wird die Ortsdosisleistung gemessen. Das MADUK-Netz dient der kleinräumigen Überwachung der künstlichen Strahlung rund um die Kernkraftwerke. Auch dieses Netz verfügt über eine automatische Alarmeinrichtung.

RADAIR

Mit RADAIR (11 Stationen) wird die Radioaktivität der Atmosphäre überwacht. Es wird vom BAG betrieben. Mit den Luftnetzen können geringste Spuren von radioaktiven Stoffen in der Luft nachgewiesen werden. Das RADAIR-Netz dient der grossräumigen Überwachung der Radioaktivität in der Luft. An 11 Standorten, mehrheitlich entlang der Landesgrenzen, sind kontinuierlich arbeitende Aerosolmessgeräte im Einsatz.

Dokumente und Downloads

Broschüre Kernenergie
Broschüre Stilllegung KKM
Aufsichtsbericht des ENSI 2016
Periodische Sicherheitsüberprüfung 2010

Die monatlichen Betriebsberichte der Schweizer Kernkraftwerke werden von Swissnuclear herausgegeben.

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