Sehr speziell: eine Unterwasserbaustelle

Wussten Sie, dass im Bielersee BKW Leitungen liegen? Zusammen mit einer Tauchfirma wird nun eine dieser Leitungen teilweise im Seegrund abgesenkt. Was hinter diesem aussergewöhnlichen Unterfangen steckt, erzählt Matthias Nussbaumer im Gespräch.

Andreas Schmidt, 6. November 2018

Sie leiten dieses Unterwasserprojekt. Weshalb muss die Leitung im Grund des Bielersees abgesenkt werden?

Matthias Nussbaumer: 2017 hat uns die Seepolizei Biel darüber informiert, dass sich im Bereich der St. Petersinsel gelegentlich Bootsanker in unseren 50 Kilovolt-Hochspannungskabeln verfangen. Polizeitaucher mussten diese jeweils lösen. 

Klingt gefährlich. Ist eine freiliegende Leitung im See nicht ein Risiko für Bootsbesitzer? Oder auch für Badegäste?

Nein. Da kann nichts passieren. Das Kabel ist mit einem Aluminiummantel und einer Kunststoffschicht isoliert. Das schützt sowohl Menschen, die mit der Leitung in Berührung kommen als auch die Leitung selbst vor Verletzungen, zum Beispiel durch Anker. Inspektionen mit einem Tauchroboter haben gezeigt, dass die Kabel unbeschädigt sind und damit der Kabelschutz funktioniert. 

Was ist nun geplant?

Bis Mitte November 2018 werden wir die Kabel im Uferbereich auf einer Länge von rund 300 Metern absenken beziehungsweise im Seegrund eingraben lassen. Über die Kabel legen wir eine Schutzschicht aus Unterwasserbeton, um so zu verhindern, dass sich erneut Bootsanker einhängen.

Heisst das, dass die BKW selbst in den See sticht?

Leider nein (lacht). Dafür arbeiten wir mit der Firma TAF Taucherarbeiten AG aus Lyss zusammen. Für uns ist es ein sehr interessantes und auch ungewöhnliches Sanierungsprojekt. Die Tatsache, dass sich die Baustelle auf dem Seegrund befindet ist schon sehr speziell. Umso mehr schätzen wir es, einen guten Partner für die Arbeiten gefunden zu haben.

Wie muss man sich diese Unterwasserbaustelle und -arbeiten vorstellen?

Die Baustelle und auch alle erforderlichen Spezialmaschinen sind auf einem unmittelbar über dem Kabeltrasse platzierten Ponton – einer Art Floss – eingerichtet. Mit einem Hochdruckwasserstrahl wird der Seegrund aufgelockert und das gelöste Material abgesaugt. In den so erstellten Graben senken die Taucher anschliessend die Kabel ab. Im nächsten Schritt überdecken sie die Kabel auf der ganzen Länge mit einer Art Stoffsack. Und zum Schluss befüllen sie die rund 20 Meter langen und ein Meter breiten «Stoffsäcke» mit Unterwasserbeton. 

Was ist Ihr Zeitplan? Wann sind die Arbeiten abgeschlossen?

Wenn alles nach Plan läuft, sind wir Mitte November 2018 fertig, nach rund fünf Wochen Bauzeit. Nebst dem Einverständnis von verschiedenen Ämtern vor dem Baubeginn waren wir auch auf die gute Kooperation mit diversen Berufsfischern angewiesen. Insbesondere die Seepolizei schätzt unsere Sanierungs- und Verbesserungsmassnahmen. Und auch wir sind froh, wenn unsere Leitung künftig kein Hindernis mehr ist.

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