Wie sicher sind Ihre Fussgängerstreifen?

Bei Fussgängerstreifen treffen die schwächsten auf die stärksten Verkehrsteilnehmer. Die Sicherheit sollte dabei oberste Priorität haben. Unsere Experten erklären im Interview, was einen sicheren Fussgängerstreifen auszeichnet und mit welchen Methoden Gemeinden die Sicherheit analysieren können.

Im Interview:
Christoph Zeltner, Mitglied der Geschäftsleitung, Grunder Ingenieure AG
Thomas Lüthi, Fachbereichsleiter 3D Mobile Mapping, Grunder Ingenieure AG
Rolf Aeschbacher, Fachexperte Beleuchtung, BKW

Gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) verunfallen in der Schweiz jährlich 2 300 Fussgängerinnen und Fussgänger, 40% davon auf Fussgängerstreifen.* Was zeichnet einen sicheren Fussgängerstreifen aus?

Christoph Zeltner: Ein sicherer Fussgängerstreifen trägt fünf Faktoren Rechnung:

  • Fussgängerschutzinseln: An Fussgängerstreifen ist an Querungsstellen eine Mittelinsel anzustreben. 
  • Einstreifigkeit: Fussgängerstreifen ohne Lichtsignalanlagen sollten nicht über mehr als zwei Spuren führen.
  • Sichtweite: Die in der VSS-Norm angegebenen minimalen Sichtweiten sollten nicht zur Regel erhoben, sondern überprüft und deutlich nach oben korrigiert werden. Auch innerorts ist eine Sicht nach links von mehr als 100 Meter vorzusehen.
  • Signalisierung: Jeder Streifen ist mit dem Signal «Standort eines Fussgängerstreifens» auszurüsten, das im Blickfeld der Motorfahrzeuglenker platziert und aus über 100 Meter Distanz erkennbar sein sollte.
  • Beleuchtung: Fussgängerstreifen sind normgerecht und entsprechend den Richtlinien der Schweizerischen Lichttechnischen Gesellschaft (SLG) zu beleuchten.

In wessen Verantwortung liegt die Sicherheit von Fussgängerstreifen? 

Rolf Aeschbacher: Die Verantwortung liegt beim Strasseneigentümer. Je nach Eigentumsverhältnis kann dies die Gemeinde, der Kanton oder beispielsweise auch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) sein.  

Gibt es Gesetze und Normen, die die Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger regeln?

Christoph Zeltner: Der Artikel 33.1 im Strassenverkehrsgesetz (SVG) hält den Grundsatz fest, dass den Fussgängern das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen ist. Weiter gelten die Signalisationsverordnung (SSV), die Verkehrsregelnverordnung (VRV) und die Normen der Vereinigung Schweizer Strassenfachleute (VSS).

Digitales Datenmodell

Welche Möglichkeiten haben Gemeinden, die Fussgängersicherheit zu analysieren?

Thomas Lüthi: Mittels Befahrung der Gemeindestrassen halten spezialisierte Ingenieurbüros, wie Grunder Ingenieure AG, die Ist-Situation fest. Der gesamte Strassenbereich wird hochpräzise als digitales Datenmodell aufgenommen. Die anschliessende Analyse erfolgt im Büro am Computer mit entsprechenden Auswertungsprogrammen. Verbesserungspotenzial kann so aufgezeigt und entsprechende Massnahmen ergriffen werden.

Was sind die Vorteile der digitalen Bestandsaufnahme?

Thomas Lüthi: Die digitale Aufnahme mittels 3D Mobile Mapping hat den Vorteil, dass die Situation um einen Fussgängerstreifen herum präzise vermasst wird. Alle wichtigen Masse wie Abstände und Sichtweiten können eins zu eins simuliert werden. Dank dem 3D Mobile Mapping haben wir eine vollständige und genaue digitale Erinnerung an unseren Auswertestationen im Büro. Im Weiteren stellen wir den Gemeinden die Daten als interaktiven 3D Viewer zur Verfügung. Dadurch bieten wir der Gemeinde vielseitige Möglichkeiten, zusätzliche Daten auszuwerten oder digitale Prozesse einzuführen.

Wie gehen die Grunder Ingenieure AG und die BKW vor?

Thomas Lüthi: Für die Überprüfung der Fussgängerstreifen wird das komplette Strassennetz der Gemeinde befahren. Die Fussgängerstreifen werden am Bildschirm einzeln nach den Kriterien Fussgängerschutzinseln, Einstreifigkeit und Signalisation beurteilt. Die Sichtweiten werden in einem CAD-System vermessen und dokumentiert. 

Rolf Aeschbacher: Weiter dienen uns die digitalen Daten aus der Befahrung als Grundlage, um die Beleuchtungssituation um den Fussgängerstreifen zu analysieren. Mit unserem speziellen Beleuchtungsberechnungsprogramm können wir genau beurteilen, ob Beleuchtungen die geforderten Normen erfüllen. Zudem können wir auch den Soll-Zustand jeder einzelnen Beleuchtungssituation wirklichkeitsgetreu simulieren und so die Massnahmen zur Erreichung einer normgerechten Beleuchtung ableiten. Die Gemeinde erhält neben dem Viewer und den digitalen Daten eine Abschlussdokumentation inklusive Sanierungsvorschlagsofferte.  

Welche Erfahrungen bringt die Firma Grunder Ingenieure AG im Bereich Vermessen und Analyse mit?

Thomas Lüthi: Die Firma Grunder Ingenieure blickt zurück auf über 30 Jahre Erfahrung in der Planung und Ausführung von Projekten im Strassenraum. Dank immer wieder neuen Messmethoden werden die Planung und die Kontrolle der Projekte stets verbessert. Im Zeitalter der Digitalisierung spezialisieren wir uns darauf, die unendlich grosse Anzahl von Grundlagendaten so aufzubereiten, dass diese während dem ganzen Planungsprozess allen Beteiligten zur Verfügung stehen.  

* Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung (2018) 

Grunder Ingenieure AG

Grunder Ingenieure AG ist eine innovative Ingenieurunternehmung mit Hauptsitz in Burgdorf, Kanton Bern. Sie ist eine Tochtergesellschaft der BKW. In den Bereichen Ingenieur-, Bahn- und Spezialvermessung sowie Amtliche Vermessung gehört Grunder Ingenieure AG schweizweit zu den Marktführern. Seit der Gründung der damaligen Einzelfirma im Jahre 1987 durch Hans Grunder entwickelte sich die Grunder Ingenieure AG kontinuierlich zu einer der führenden Ingenieurunternehmungen. Heute beschäftigt sie ca. 60 – zusammen mit ihren Partnerfirmen über 130 – Mitarbeitende. Grunder Ingenieure AG unterstützt die Kommunen beim Einstieg in die digitale Verwaltung 4.0, wie sie der Bundesrat am 20.04.2016 in seiner Strategie für eine digitale Schweiz gefordert hat.

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