Liberalisierung der Messdaten statt des Messwesens

Wie sollen im Strommarkt der Zukunft die Daten von Stromzählern gehandhabt werden? Mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) schlägt der Bundesrat vor, das Messwesen teilweise zu liberalisieren. Die BKW schlägt eine smartere Lösung vor.

Aktuelle Regulierung zum Messwesen im Strommarkt

Das Stromversorgungsgesetz und die dazugehörende Stromversorgungsverordnung (StromVV) regeln die Aufgabenteilung und Zuständigkeiten im Strommarkt. Sie halten fest, dass Verteilnetzbetreiber für das Messwesen verantwortlich ist. Die Kosten, die den Verteilnetzbetreibern für die Erfüllung dieser Aufgaben entstehen werden über die Netztarife bei den Endverbraucherinnen und Endverbrauchern verrechnet. Die Energiestrategie 2050 des Bundes verpflichtet die Verteilnetzbetreiber weiter dazu, 80 Prozent der herkömmlichen Stromzähler bis Ende 2027 mit Smart Metern zu ersetzen. Mit dem Smart-Meter-Rollout werden pro Zähler 40’000-mal mehr Daten gesammelt als durch konventionelle Stromzähler. Diese Daten speichern die Verteilnetzbetreiber gemäss Vorgaben über mehrere Jahre. Gerade Kundinnen und Kunden mit einer Smart Home Lösungen verfügen jedoch bereits über eine private Messinfrastruktur, die dieselben Daten generiert, wie der Zähler des Verteilnetzbetreibers.

Der Vorschlag des Bundesrates zur Liberalisierung des Messwesens

Mit der kommenden Revision des StromVG schlägt der Bundesrat vor, das Messwesen teilweise zu liberalisieren. Konkret will er Dritten ermöglichen, ein Messgerät zu installieren, das dieselben Aufgaben übernimmt wie jene der Verteilnetzbetreiber. Der Bundesrat sieht jedoch nicht vor, allfällige Drittanbieter den gesetzlichen Vorgaben eines Verteilnetzbetreibers gemäss StromVG und StromVV zu unterstellen. Die Verteilnetzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, in ihrem ganzen Versorgungsgebiet und damit auch in den kostenintensiven, ländlichen Gebieten das Messwesen sicherzustellen. Demgegenüber hätten Drittanbieter die Möglichkeit, ihre Dienstleistungen lediglich in dicht besiedelten und damit kosteneffizienten Orten anzubieten und damit günstige Angebote zu gestalten. Es entsteht eine Art «Grundversorgung im Messwesen» mit den Verteilnetzbetreibern als Anbieter der letzten Instanz. Da die Verteilnetzbetreiber auch weiterhin für die Rechnungsstellung zuständig sind, müssten die durch Dritte gewonnenen Daten an die Verteilnetzbetreiber weitergeleitet werden. Die Teilliberalisierung etabliert also Parallelprozesse und erhöht die Anzahl der Schnittstellen bei der Datenbereitstellung sowie den administrativen Aufwand für Verteilnetzbetreiber. Die steigenden Kosten der Verteilnetzbetreiber schlagen sich wiederum in höheren Netztarifen für die Endverbraucherinnen und Endverbraucher nieder. Weiter zeigte sich in Ländern wie Österreich oder den Niederlanden, die bereits Erfahrungen mit dem liberalisierten Messwesen gewinnen konnten, dass sich beim Messwesen kein wettbewerbsfähiger Markt bildet. Es zu erwarten, dass dies im kleinen Marktumfeld der Schweiz ähnlich entwickeln wird. Der Vorschlag des Bundesrates für eine Teilliberalisierung des Messwesens zielt im Hinblick auf die digitale, dezentral organisierte Energiezukunft in die falsche Richtung.

Mit der Liberalisierung der Messdaten schlägt die BKW eine smartere Lösung vor

Mit einer kleinen rechtlichen Anpassung im StromVV ist es möglich, den Smart Home Besitzerinnen und Besitzern die Datenhoheit über Ihre Daten zu geben. Für die Abrechnung des Stromlieferanten werden dann einfach die Daten der privaten Home-Lösung verwendet. Der Datenschutz bleibt in jedem Fall gewährleistet. Mit der Liberalisierung der Daten entfallen die doppelten Messstrukturen, wie sie aktuell durch den Smart-Meter-Rollout gefordert sind, indem die Anschlüsse von Kundinnen und Kunden mit eigener Messinfrastruktur vom Rollout entbunden werden. Dadurch sinken die Kosten des Verteilnetzbetreibers, was über die Netztarife allen Kundinnen und Kunden zugute kommt. Für Kundinnen und Kunden ohne eigene Messinfrastruktur bleiben die Verteilnetzbetreiber für das Messwesen zuständig. Schliesslich entfallen mit der Liberalisierung der Messdaten alle Nachteile des liberalisierten Messwesens.

Pilotstudie der BKW zusammen mit Elektroplan Buchs & Grossen AG, Smart Energy Link AG

In einem gemeinsamen Projekt der Firmen Elektroplan Buchs & Grossen AG, Smart Energy Link AG und der BKW wurden die technische Machbarkeit der Liberalisierung der Daten sowie die Kundenschnittstelle des intelligenten Messsystems vertieft in zwei Pilotprojekten analysiert. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Liberalisierung des Messwesens möglich ist und funktioniert.

Dieser Bericht fasst die zentralen Fragestellungen, Vorgehensweisen und wesentlichen Erkenntnisse zusammen.