75 Jahre KWO - Festansprache von Dr. Fritz Mühlemann, Direktionspräsident BKW FMB Energie AG

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16.06.2000

75 Jahre KWO - Festansprache von Dr. Fritz Mühlemann, Direktionspräsident BKW FMB Energie AG

Die Wasserkräfte der Grimsel

75 Jahre KWO Festansprache Dr. Fritz Mühlemann Direktionspräsident der BKW FMB ENERGIE AG, Bern Die Wasserkräfte der Grimsel Visionäre, Pioniere und mutige Leute haben die 75-jährige Geschichte der Kraftwerke Oberhasli geprägt. Es freut mich deshalb ganz besonders, heute der Kraftwerke Oberhasli AG, der KWO, im Namen der BKW Energie AG zu ihrem 75-jährigen Bestehen herz-lich gratulieren zu dürfen. Ich verbinde dies mit meinem Dank an die heu-tigen und ehemaligen KWO-Verantwortlichen, an die Mitarbei-terinnen und Mitarbeiter der KWO, an die Behörden und an die Talbevölkerung, kurz an alle, die zum Aufbau und zur sichtbaren Prosperität der Jubilarin beigetragen haben. Von der Idee zur Umsetzung «Der Grimselstrom ist etwas vom Feinsten!» Diese spontane Aussage entschlüpfte mir im Rahmen eines lebhaft geführten Interviews zu «Grimsel West.» Sie führte prompt zu einer Schlagzeile im «Bund». Ich wiederhole die Aussage heute gerne. Auch meine Vorgänger kamen offensichtlich zum gleichen Schluss. Denn bereits 1905 hatten sie eine Vision gehabt, das gewaltige natürliche Potential im Her-zen der Alpen mitten in Europa erkannt und richtig einge-schätzt. Die Bernischen Kraftwerke meldeten ein Konzessions-begehren an und legten ein allgemeines Projekt vor, welches von der Erzeugung von 1000 Millionen kWh ausging, eine gewaltige Energiemenge für damalige Verhältnisse. Wer als erster daran gedacht hatte, die Wasserkräfte des Oberhasli im Grimsel- und Sustengebiet nutzbar zu machen, war Eduard Will, der ehemalige Generaldirektor und Gründer der BKW. Am Anfang der KWO standen, wie wir sehen, Visionäre, Pio-niere, mutige Persönlichkeiten, welche die Herausforderung suchten. Visionäre, Pioniere und mutige Leute hat die KWO in ihrer 75-jährigen Geschichte glücklicherweise immer wieder gehabt. Dies erklärt auch die Erfolgsstory des Unternehmens, er-klärt die Entwicklung zu einem der grössten Wasserkraftkom-plexe in den Alpen. Hierzu einige Beispiele: Der erste Weltkrieg löste einen enorme Nachfrageboom nach elektrischer Energie aus. Die Bernischen Kraftwerke erstellten innert kürzester Frist ein grosses Kraftwerk, um die Bedürfnisse nach Strom zu befriedigen. (Nebenbei bemerkt: So rasch wechselten schon damals Zeiten des Stromüberflusses mit solchen des Strommangels.) Ingenieure, Techniker, Finanzfachleute, Arbeiter und Verwaltungsangestelle alle nahmen sie die gewaltige Herausforderung an. Der Bau des Grimselwerkes hätte acht Jahre erfordert das war zu lange. Als Alternative stand der Bau des Wasserkraftwerkes in Mühleberg zur Verfügung. Dieses konnte in weniger als der Hälfte der Zeit nämlich in nur drei Jahren erbaut werden. Deshalb wurde 1917 mit dem Bau des Wasserkraftwerkes Mühleberg begonnen. Gleichzeitig wurden aber die Vorberei-tungen für den Bau der Anlagen im Oberhasli intensiviert. Die Pioniere waren, wie wir sehen, nicht nur mutig, sondern auch beweglich. Bereits im Sommer 1925 begannen die Bauarbeiten des grossen Pro-jektes Grimsel Gelmer Handeck. Ein Projekt, aus-gearbeitet von Pionieren wie Oberingenieur Kaech, Professor Narutovicz und anderen. In den Jahren 1925 bis 1932 war das Tal ein grosser Bauplatz, auf dem vorübergehend nahezu 1800 Arbeitskräfte tätig waren. Zur Bewältigung der logistischen Probleme war der Bau eige-ner Transportsysteme nötig, von denen einige Anlagen heute noch im Betrieb stehen, wie etwa die Bahnverbindung Meirin-genInnertkirchen. Die Inbetriebnahme der Anlage Han-deck im Jahre 1932 war die Krönung einer grandiosen Pionierleistung, die noch heute höchste Anerkennung findet und nicht zuletzt der Talschaft nachhaltige wirtschaftliche Impulse vermittelt hat. Gründung der KWO Auch die Gründung des KWO war eine Pioniertat. «Was, die KWO ist eine selbständige Gesellschaft? Unter eigenständiger Leitung?» Diese oder ähnliche zugegebenermassen schmei-chelhafte Fragen hören wir bei der BKW recht oft. Ich muss dann erklären, dass die BKW zwar mit 50 % des Aktienkapitals ein wichtiger Partner der KWO ist, aber drei weitere, ebenso bedeutende Aktionäre die Städte Bern, Basel und Zürich ebenfalls an der KWO beteiligt sind. Wie kam es dazu? Die Erklärung ist einfach: «Riskmanagement» heisst das Zauberwort. Die Baukosten für Handeck und die damit verbundenen Risiken waren für die Bernischen Kraftwerke und den Kanton Bern alleine zu hoch. Man war bestrebt, nicht nur das finanzielle Risiko, sondern auch dasjenige eines gesicherten Energieab-satzes auf eine breitere Basis zu stellen. Deshalb kam es am 20. Juni 1925 zur Gründung der Aktienge-sellschaft Kraftwerke Oberhasli AG mit Sitz in Innertkirchen. Zu-vor hatten die Stimmbürger des Kantons Bern mit grosser Mehrheit dem Antrag des Grossen Rates zugestimmt, eine Staatsanleihe in Höhe von 12 Millionen Franken aufzunehmen, um die Finanzie-rung des Kraftwerkes Handeck zu sichern. Eine gute und weit-sichtige Investition, wenn man bedenkt, dass der Kanton heute von der KWO allein für Wasserzinsen 17,8 Millionen Franken p.a. erhalten soll. Erlauben Sie mir einen Sprung in die Gegenwart: Ich hoffe, dass die Berner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch die-sen Herbst ebenso viel Weitsicht zeigen und, dem Antrag des Regierungsrates des Kantons Bern und des Grossen Rates entsprechend, die Initiative «Mühleberg stilllegen» klar ablehnen werden. Ein Entscheid, der für die Zu-kunft der BKW und des Kantons Bern ebenso bedeutend sein wird wie die damalige Zustimmung zur Staatsanleihe. Eine erwähnenswerte Etappe und weitere Pioniertat war der Bau des Kraftwerks Innertkirchen während des zweiten Welt-kriegs in einer Frist von gerade 2¿ Jahren. Der Nutzen kam in einer kritischen Phase unmittelbar der ganzen Schweiz zugute. Im kalten Januar 1943, als ganz Europa fror, kam das Werk ge-rade rechtzeitig in Betrieb, um das grosse Energiemanko in der Schweiz spürbar zu lindern. Wenige Tage nach der Inbetrieb-nahme konnten jedenfalls behördlich angeordnete Einschränkungen in der ganzen Schweiz aufgehoben werden. Die Wasserkraft hat Zukunft Der Wasserkraft kommt auch heute, am Vorabend der Strommarkt-liberalisierung, grosse Be-deutung zu. Eine langfristige Energiepolitik darf sich nicht am Tagesgeschehen orientieren. Die fossilen Energieträger sind begrenzt; ihre Nutzung setzt C02 frei. Der Stellenwert des um-weltfreundlichen, erneuerbaren Energieträgers Wasser wird sich mit Blick auf den Energiehunger einer rasch wachsenden Weltbevöl-kerung weiter erhöhen. Sehr verehrte Damen, sehr verehrte Herren, Sie wissen, dass die BKW in ihrem Bericht zur künftigen Strombeschaffung Alternativen zum Kernkraftwerk Mühleberg ihr Augenmerk auch auf das Projekt «Grimsel-West» geworfen hatte. Es hätte mehr als ein Drittel des Produktionsvolumens des Kernkraft-werkes Mühleberg mit erneuerbarer einheimischer Energie, so-wie im Abtausch mit importierter Bandenergie die weiteren zwei Drittel, abdecken können. Die KWO hat jedoch entschieden, das Projekt nicht weiter zu bearbeiten, dies vor allem mit Blick auf geänderte Marktbedingungen. Partnerschaft von Natur und Technik Doch die heutigen KWO-Verantwortlichen lassen den Kopf nicht hängen: Mit dem neuen Projekt KWO Plus will die KWO einen we-sentlichen zusätzlichen Beitrag zur umweltfreundlichen Strom-produktion aus einheimischer Wasserkraft leisten. KWO plus besteht aus drei Teilen: · Bestehende Anlagen werden saniert und aufge-wertet, · die Leistung wird erheblich ge-steigert · und ein Teil der Produktion wird in den Winter verlagert. Wir können dieses Projekt in mehreren von einander unabhän-gigen und eigenwirtschaftlichen Etappen realisieren. Es nimmt in hohem Masse Rücksicht auf umweltpolitische Anlie-gen. Wir sehen, Geist, Mut und Ausdauer der einstigen Pioniere leben auch in der heutigen Generation der KWO-Verantwortlichen weiter, wofür auch das neue Leitbild der KWO spricht. Ich wünsche dem Unternehmen auch in den kommenden Jah-ren unter den neuen Voraussetzungen des liberalisierten Strommarktes gutes Gedeihen zum Wohle und im Interesse von Land und Leuten, der Mitarbeitenden, der Umwelt und unserer Volkswirtschaft. Ich danke allen, die hierzu in der Vergangen-heit beigetragen haben und auch künftig beitragen werden. Grimselstrom bleibt etwas vom Feinsten. BKW FMB Energie AG